Antelope Canyon – fernab, teuer und einfach wunderschön!

Licht und Schatten und Abraham Lincoln im Antelope Canyon

Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich tatsächlich einen Blogartikel über den Antelope Canyon verfassen soll. Mein erster Gedanke war, dass es nicht viel darüber zu berichten gibt, außer, dass er halt einfach wunderschön ist. Aber erstens sind die Bilder einfach zu schön, um sie nicht auf meinem Blog unterzubringen und zweitens war die Tour zum Antelope Canyon immerhin ein kompletter Tagesausflug. Da wäre es doch gelacht, wenn ich nicht einen Artikel dazu schreiben könnte.

Ich bin also am Morgen nach einem dürftigen Frühstück im beschaulichen Ambiente der kleinen Motelrezeption in Flagstaff aufgebrochen gen Norden. Vom Ziel meiner Reise hatte das Navigationsgerät – ganz offensichtlich ein Banausengerät, ds sich in keinster Weise für Natur interessiert – noch nie gehört. Also befahl ich ihm, mich nach Page zu bringen, dem Ort neben dem Antelope Canyon. In meiner naiven Vorstellung einer perfekten Welt würde es dort bestimmt Hinweisschilder geben…

Einige Kilometer vor Page tauchte eine kleine Tankstelle auf. Ein Schild wies nach rechts zum Antelope Canyon, geradeaus nach Page. Ich erkundigte mich bei der Angestellten nach dem richtigen Weg und sie versicherte mir, dass beide Wege sowohl nach Page als auch zum Antelope Canyon führten. Auf meinen erstaunten Blick hin, riet sie mir zu dem Weg, der nach rechts abzweigte. Auf dem Weg fand ich immerhin noch eine malerische Windmühle, wie sie in jedem Western hätte mitspielen können. Dieses Foto will ich euch natürlich auch nicht vorenthalten.

Irgendwann erreichte ich Page, das hauptsächlich aus Industrie und Fabriken zu bestehen schien. Nach einem Hinweisschild, wo sich die berühmte Touristenattraktion befindet, sucht man hier jedoch vergebens. Wieder war mir eine Angestellte in einer Tankstelle eine große Hilfe. Tatsächlich ist ungefähr fünf Meter vor der Einfahrt zum Parkplatz am Canyoneingang wirklich ein Schild aufgestellt worden, auf dem „Upper Antelope Canyon“ sowie einen Kilometer weiter „Lower Antelope Canyon“ steht.

Ich entschied mich in einem spontanen Akt der Verzweiflung für den oberen der beiden Canyons. Ich werde zwar vermutlich nie erfahren, ob ich die richtige Wahl getroffen habe, aber auf jeden Fall war ich hellauf begeistert von dem, was mir im oberen Canyon geboten wurde, so dass ich einfach mal davon ausgehe, dass der untere Canyon kaum noch schöner sein kann. Sollte ich irgendwann einmal wieder hier vorbei kommen, fällt die Wahl leichter.

Der hiesige Indianerstamm verwaltet den Canyon, verlangt sich unglaubliche 48 Dollar Eintrittsgeld, weist darauf hin, dass sich dieser Betrag ohne Vorankündigung jederzeit ändern kann, packt die Leute auf kleine Geländewagen und karrt sie dann in geordneten Gruppen zu 14 Personen in Richtung Canyoneingang, was etwa 10 Minuten dauert. Das ist eine sehr gute Idee, denn auf dem Weg bis zum Canyoneingang gibt es kaum etwas zu sehen und die Hälfte der Besucher würde ohnehin verdursten oder an einem Hitzschlag zu Grunde gehen. Es sind hier im August mindestens 40 Grad und am Himmel ist kein Wölkchen zu sehen.

Der Antelope Canyon entschädigt dann für alle Unannehmlichkeiten – man vergisst fast, dass man gerade 48 Dollar gezahlt hat – und ist einfach überwältigend schön mit seinen bizarren, harmonischen und gleichzeitig willkürlichen Felsformationen, in denen das Licht nur hier und da mal bis zum Boden gelangt. Hier kann fast jeder Hobbyfotograf mit egal welcher Kamera traumhafte Bilder machen, denn das Motiv, das man von Naturkalendern kennt, ist einfach sehr fotogen. Der indianische Führer kennt die besten Fotopunkte und zeigt den Besuchern, wo sie in den Felsen sowie in dem Spiel aus Licht und Schatten einen weißen Hai, ein Auge, einen Braunbären und sogar Abraham Lincoln erkennen können.

Falls ihr irgendwie in der Nähe von Page seid, das im Grunde nicht in der Nähe von irgendetwas liegt, dann besucht unbedingt den Antelope Canyon! Er ist ein Naturwunder!

Eure Beatrice!

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