Bahrain – Ein Baum, ein Berg und tonnenweise Tränengas

Bahrain ist ein eher kleines Land. Wenn es dort kein Erdöl gäbe und nicht in den letzten beiden Jahren ein wenig Revolution aufgekeimt wäre, dann hätten wir wahrscheinlich noch nie von dem winzigen Inselchen vor der saudischen Küste gehört. Aber dank Öl-Reichtum gibt es eine Formel 1 Rennstrecke, jede Menge Hochhäuser und einige Hotels. Touristen sind herzlich willkommen.

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Erster Programmpunkt für mich ist die Al Fateh Grand Mosque. Das eindrucksvolle und moderne Gebäude steht im strahlenden Sonnenschein auf einem gigantischen Platz und ein großes Schild heißt Besucher aller Glaubenslichtungen willkommen. Ich gehe also hinein, ziehe meine Schuhe aus, wie es ein Schild von mir verlangt und ich betrete das Innere. In einem prächtigen und riesigen Saal, der mit einem flauschigen teuer aussehenden Teppich ausgelegt ist, hängt ein Ehrfurcht gebietender Kronleuchter.

 

 

 

 

 

Ich mache einige Fotos und gehe dann wieder Richtung Ausgang. Während ich mich noch über die Toleranz der Moschee wundere, kommt ein uniformierter und bewaffneter Mann wild gestikulierend auf mich zu und bringt mich in einen Nebenraum. Hier übernimmt mich eine Frau in kompletter Verschleierung und erklärt mir, dass ich mich in einen schwarzen Ganzkörpersack hüllen muss, um die Moschee zu betreten. “Vorschrift des Innenministeriums”. Ich lehne dankend ab und streiche meine Gedanken über Toleranz aus meinem Kopf. Ich werde es einfach nicht verstehen, dass welcher Gott auch immer, Schultern, Knie und Haare erschafft und dann plötzlich nichts mehr davon zu sehen bekommen will. Das Innenministerium hat Gott wohl falsch verstanden.

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Nach meinem illegalen und anstößigen Eindringen in die Moschee erhole ich mich bei einem Rundgang im Nationalmuseum von Bahrain. Hier darf ich mich in herkömmlicher Kleidung mitsamt all meiner Körperteile bewegen und mir die Sammlung von alten Schriften, Erklärungen über das Leben früher und heute in Bahrain und die Artefakte aus den vergangenen Jahrhunderten ansehen.

Im Bahrain Fort sehe ich dann, was mir im Museum erklärt wurde. Die Anlage ist hübsch restauriert und ich darf überall zwischen den alten Mauern herum klettern.

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Ebenfalls restauriert und auf Hochglanz poliert ist Haus, in dem der Vater des aktuellen Königs von Bahrain geboren wurde. Es dient einerseits als ein schönes Beispiel für traditionelle Baukunst und ganz nebenbei auch als ein Ort, an dem noch mehr der Nationalfahnen aufgestellt werden können. Ohnehin prangen in der ganzen Stadt und entlang der Autobahnen Flaggen, die sich mit dem Konterfei des Königs, den Kronprinzen und des Premierministers abwechseln. Die Familie Al Khalifa regiert das Land mit einserner Hand und doch entgleitet ihr nach und nach die absoulte Herrschaft.

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So sehe ich zum Beispiel auf der Suche nach weiteren Ruinen und archäologischen Ausgrabungen in den Vororten von Manama ganze Straßenzüge, in denen schwarze und rote Fahnen an den Häusern wehen. Hier wohnen die meist armen Schiiten, die die Mehrheit der Bevölkerung von Bahrain ausmachen und die sich seit zwei Jahren kontinuierlich aber bisher noch nicht mit durchschlagendem Erfolg gegen das sunnitische und stinkreiche Königshaus auflehnen. Ihre Grafitti werden von speziellen Truppen übermalt, bestimmte Straßen werden abends mit Sperren und Polizeipräsenz versehen und Bahrains Regierung kommt nicht mehr nach mit dem Einkauf von Tränengas.

Wie viel Schiss das Königshaus mittlerweile hat, merkt man daran, dass sie Verstärkung aus Saudi Arabien ins Land geholt haben und daran, dass das Denkmal auf dem Platz der Revolution aus “städtebaulichen Gründen” abgerissen wurde, um nur ja keinen symbolischen Charakter zu entwickeln. Mein Fahrer berichtet: “Im Moment ist es schlecht mit dem Business. Wenig Touristen. Und jeden Abend schießen sie bei uns in der Straße”, ich blicke ihn erschrocken an, worauf er lächelnd hinzufügt: “nur Tränengas”, was mich vielleicht beruhigen soll.

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In dem Viertel mit dem nach Heimat klingenden Namen Sa’ar, besuche ich eine Ausgrabungsstätte, dann werde ich in die Wüste gefahren, wo es eine ganze Menge an unglaublich hässlichen Ölquellen zu sehen gibt. Die Sehenswürdigkeit hier ist der Tree of Life, eine Akazie, die schon 500 Jahre alt sein soll und die mitten in einer Einöde aus Sand zu stattlicher Größe herangewachsen ist.

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Statt des eindrucksvollen Gewächses für das gerade von einem Dutzend fleißigen Indern ein Visitors Center gebaut wird oder des höchsten Berges in Bahrain, der hier ganz in der Nähe zu bewunden ist, staune ich aber viel mehr über die riesigen Zeltstädte, die zwischen den Ölquellen in dem üblen Erdölgestank stehen. Auf meine Frage hin erklärt mir mein freundlicher indischer Fahrer, dass hier die reichen Familien von Bahrain ihre Wochenenden und Ferien verbringen. Es handelt sich also um eine Art Schrebergärten, wenn auch von Garten nicht die Rede sein kann. Es sind also eher Schreberwüstencamps. Der Gestank und die Schilder, auf denen steht “No Camping, Danger, High Pressure Lines” würden mich vielleicht davon abschrecken, hier zu campen, aber die Camps sind offenbar ein absolutes Vergnügen für reiche Bahrainer. Spielpätze, Quadparcours und Kioske ergänzen das Angebot.

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In A’Ali besuche ich das sogenannte Handicraft Village. Hier sind einige junge Menschen dabei, aus Ton traditionelle Gefäße und moderne Scheußlichkeiten herzustellen. Den Ton gewinnen sie zum Teil aus den Grabhügeln, die vor 5000 Jahren von einer sehr alten Kultur errichtet wurden und nun mitten in den Wohnvierteln zwischen den Häusern aufragen.

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Über diese Grabhügel der Dilmun Kultur habe ich ebenfalls im Museum mehr gelernt. Ich werde jedoch belächelt, als ich Fotos von den uralten Konstruktionen aufnehme. Kein anderer Tourist ist weit und breit zu sehen, was entweder an der nahenden Abenddämmerung und den damit nahenden gepanzerten Polizeifahrzeugen liegt, oder einfach daran, dass sich niemand für die Gräber interessiert.

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Natürlich werfe ich auch noch einen Blick auf das moderne Bahrain. Die eindrucksvollen Hochhäuser, die den höchsten Berg des Landes (137 Meter üNN) noch um einiges überragen, begeistern jeden Freund von moderner Baukunst und jeden Besucher des Golfstaates. An manchen Wolkenkratzern prangen die Gesichter der Familie Al Khalifa, andere sind einfach Auswüchse von kreativer Architektur und High Tech. Besonders das World Trade Center besticht durch Stahl, Glas und eine außergewöhnliche Form.

In den unteren Etagen befindet sich ein Shoppingcenter, aber mein freundlicher indischer Begleiter kennt einen besseren Ort, um ein günstiges und schmackhaftes Mittagessen einzunehmen. Statt Fatburger, Subway, Chilis oder Mc Donalds, die allgegenwärtig sind, wählt er das “veggie corner” ein südindisches Restaurant mit fragwürdiger Innenausstattung und hervorragenden indischen Gerichten für sehr wenig Geld.

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Ich schaue mir dann allerdings doch noch eines der Mega Shoppingcenter an, für die Bahrain genauso wie Dubai und Doha berühmt ist. Das 150.000 Quadratmeter große Center bietet alle Freuden, die sich ein Shopaholic vorstellen kann. Sogar ein Schwimmbad ist angegliedert. Bis auf Schweinefleisch und Alkohol kann ich hier alles Erdenkliche einkaufen. In den zahlreichen Cafés sitzen elegant gekleidete Scheichs mit ihren in schwarze Säcke aus feinem Zwirn gehüllten Frauen. Es grenzt an ein Wunder, dass hier nicht ständig jemand die falsche Frau mit nach Hause nimmt. Ebenso erstaunlich ist es, dass die Geschäfte für moderne Damenbekleidung tatsächlich regen Zulauf finden. Hin und wieder begegnen mir auch einige Damen in weniger strengen Verschleierungen, ganz selten sogar ohne Schleier.

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Die Weihnachtsdeko im Shoppingcenter wirkt wie auch in meinem Hotel ein wenig deplaziert und erinnert an chinesischen Dekorationsübermut. Im Hotel sind alle sehr zuvorkommend. Weil ich in der ersten Nacht im neunten Stock wegen Tanzmusik bis zum Sonnenaufgang kein Auge zugetan habe, darf ich die zweite Nacht im siebten Stock verbringen. Die Diskothek im 12. Stockwerk macht das gesamte Gebäude meines Erachtens nach unbewohnbar, aber immerhin war wohl in der Disko im Gegensatz zum Hotel wenigstens ein bisschen Betrieb. Im siebten Stock war die indische Popmusik immerhin auf Zimmerlautstärke herunter gedämpft. Der Portier bringt mich am Ende meiner Reise mit seinem Privatauto zum Flughafen, weil das hoteleigene Fahrzeug den Geist aufgegeben hat.

Insgesamt ist Bahrain auf jeden Fall eine Reise Wert. Ich werde gespannt verfolgen, wie sich die Auseinandersetzungen zwischen der Familie Al Khalifa und der Mehrheit der recht armen Bevölkerung weiter entwickelt und insgeheim drücke ich der Revolution die Daumen. Macht aber bitte nicht die riesige Moschee und die hübschen Wolkenkratzer kaputt!

Soviel zum Kurztrip nach Bahrain, Nummer 87.

Eure Beatrice!

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