Bolivien – Von den höchsten und reichsten Städten der Welt

 La Paz  La Paz, Bolivien

Nachdem ich vor einigen Jahren bereits in Bolivien war und mit der dünnen Höhenluft gerungen habe, stand nun im Herbst 2014 ein neuerlicher Besuch an. Schließlich hatte ich längst nicht alles in diesem schönen Land gesehen. (Das habe ich natürlich immer noch nicht…)

An die riesige Stadt La Paz mit zwei Millionen Einwohnern kann ich mich vom letzten Besuch noch gut erinnern. Mein Hotel liegt mitten in der Altstadt nur eine Straße von der berühmten Hexengasse entfernt. Hier hat sich jedoch einiges geändert und statt Hexen sind hier immer mehr Souvenirläden eingezogen. Die letzten Hexen halten die Stellung, verkaufen aber kaum noch Produkte zum „Selber-Hexen“. Der Trend geht eindeutig zum fertig gemixten Zaubertrank oder zum „Rundum-Sorglos-Paket“ für den alltäglichen Zauber. Auch als Hexe muss man mit der Zeit gehen.

In La Paz gehen die Hexen mit der Zeit!

Vor allem am ersten Tag bin ich versucht, bei den Hexen um Hilfe zu bitten, denn die Luft auf 3600 Metern macht mir zu schaffen. Ich bin zum Beispiel fix und alle, nachdem ich mir etwas zu energisch die Zähne geputzt habe. Ich fühle mich wie der unsportlichste Mensch der Welt.

Das wunderschöne Valle de la Luna will ich natürlich trotz körperlicher Erschöpfung auf jeden Fall sehen. Es liegt auf etwa 3100 Höhenmetern. Meine Begleiterin mahnt mich, immer schön langsam zu gehen. Und mir bleibt auch nicht viel anderes übrig.

Richtige Prachtbauten hat La Paz nicht zu bieten, aber der Blick auf die Stadt, die zur Hälfte in einem Kessel liegt und zur Hälfte aus dem riesigen Armutsviertel El Alto auf 4100 Metern besteht, ist schon beeindruckend.

 La Paz  Valle de la luna

Die Armen leben oben und die Reichen unten

Die zweite Etappe meiner Reise ist Potosi. Diese Stadt liegt auf über 4000 Höhenmetern in einer Umgebung, die im Grunde nicht als Siedlungsgebiet in Frage kommt. Niemand wäre auf die Idee gekommen, in dieser unwirtlichen Wüste, wo es kaum Wasser gibt, eine Stadt zu errichten, bis schließlich ein Spanier, der eben dabei war, das Land und seine Bewohner auf recht blutige Weise zu unterwerfen, in einem Berg eine Silberader fand. Und dann noch eine und noch eine… der Berg, den die Ureinwohner des Altiplano für einen heiligen Ort hielten, war buchstäblich voller Silber.

Also bauten die Spanier eine riesige Stadt, die einige Jahrhunderte lang nur dem Ziel diente, so viel Silber wie möglich aus dem Berg heraus zu schaffen. Natürlich machte sich keiner von ihnen dabei besonders schmutzig. Sie brachten Sklaven aus Afrika her und ließen die Ureinwohner der Region in den Minen arbeiten. 60.000 Tonnen Silber haben die Spanier aus Bolivien nach Spanien transportiert, und das ist wohl auch einer der Hauptgründe dafür, dass Bolivien erst als letztes der südamerikanischen Länder seine Unabhängigkeit erlangt hat.

 Altstadt Potosi  Cerro Rico

Potosi war einst die reichste Stadt der Welt!

Potosi war eine Weile lang die reichste Stadt der Welt und eine etwas kürzere Weile lang sogar die zweitgrößte Stadt der Welt. Heute gibt es sie noch immer. Die Superlative sind allerdings nicht mehr aktuell. Immerhin ist Potosi noch eine der höchstgelegenen Großstädte auf der Erde.

Touristen können hier gleich zwei eigenartige und ungewöhnliche Erlebnisse haben: Sie können in den Minen auf den Spuren der ausgebeuteten Bergarbeiter wandeln. Die heutigen Minenarbeiter müssen zwar nicht mehr monatelang im Innern des Berges ausharren, aber so richtig angenehm sind die Bedingungen bis heute nicht. Eine Lüftung gibt es zum Beispiel nicht und die meisten Stollen sind täglich vom Einsturz bedroht, weil sie nur sehr provisorisch abgestützt sind. Das meiste Silber ist weg, aber manchmal findet noch ein Glücklicher etwas. Andere Metalle wie Zinn und Zink sind im Cerro Rico, dem reichen Berg noch in großen Mengen vorhanden, so dass sich der Abbau am Ende doch lohnt.

 Dynamit  tio jorge Potosi

Das zweite Erlebnis, das ich in Potosi hatte, hängt mit dem Besuch der Minen direkt zusammen. Wer die Minenarbeiter stört, von dem wird ein kleines Geschenk erwartet. Und die idealen Geschenke für Minenarbeiter sind: Limonade, Cocablätter, Alkohol und Dynamit! Ich habe also zum ersten und höchstwahrscheinlich auch letzten Mal in meinem Leben Dynamit gekauft. Einfach so, in einem kleinen Laden von einer dicklichen Bolivianerin. Ganz legal.

Hier dürfen die Touristen tatsächlich Sprengstoff kaufen!

In den Stollen, die für Menschen mit Platzangst überhaupt nicht geeignet sind, begegne ich dem Gott der Minenarbeiter, der Zigaretten raucht und für das Wohlergehen der Männer hier zuständig ist. Aber darüber werde ich dann in meinem nächsten Buch berichten.

Eure Beatrice!

 

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