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Erfurt – Stinkender Reichtum: das blaue Gold

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Erfurt – die wiederentdeckte Synagoge und der falsche Papst

Erfurt ist eine der Städte, deren Namen ich eigentlich schon immer kannte, mit der ich aber nichts wirklich verband. Auf meiner Reise nach Weimar, war dann allerdings Erfurt im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend und so wurde auch der schönen Stadt Erfurt ein Tag meines coronabedingten Deutschland-Roadtrips gewidmet.

Weil ich so gar nichts über Erfurt wusste, buchte ich eine Stadtführung. Coronabedingt wurde die Gruppe in zwei kleinere Gruppen aufgeteilt. Zwei Stadtführer standen zur Auswahl und ich entschied mich kurzerhand für den einen Herrn mit Kappe. Eine gute Entscheidung wie sich herausstellte, denn der Herr, sein Name war Bötefür, entpuppte sich als jemand, dem sein Job Spaß macht und der es versteht, dem interessierten Besucher heitere Anekdoten und Begebenheiten zur Geschichte Erfurts zu erzählen. Endlich mal ein moderner Stadtführer, der nicht nur Daten und Zahlen herunter leiert und mit Architekturstilen um sich wirft.

Ich wollte ja schließlich auch nicht wissen, welche Schlacht in genau welchem Jahr stattgefunden hat, sondern mehr erfahren über das, was Erfurt in den letzten Jahrhunderten erlebt hat. Und da gab es einiges. Spannend ist zum Beispiel die Geschichte vom Waid, dem blauen Gold von Erfurt. Ganz dunkel erinnere ich mich plötzlich daran, dass ich von diesem Grünzeug schon mal etwas gehört hatte, vielleicht in Kolumbien, wo Indigo angebaut wurde? Auf jeden Fall war das Waid hier in Erfurt mit den Hunnen angekommen, die es ihren Pferden zu fressen gegeben hatten. Es wuchs und gedieh prächtig im Erfurter Klima.

Das Tolle am Waid ist, dass man es trocknen und dann sechs Monate lang in einer Mischung aus Wasser und Urin fermentieren lassen kann, dann wieder trocknen und schließlich zu einem Pulver zermahlen, von dem man ein Gramm für ein Gramm Gold eintauschen kann. Wenn man dieses Pulver dann wiederum in Wasser auflöst und Stoff für eine Woche lang hineinlegt, wird der blau. Wenn man in den Bottich hineinpinkelt, wird das Blau sogar noch schöner. Daher gab es in Erfurt viele Färber, die junge Männer kostenlos mit Bier versorgten, nur damit diese dann reichlich in ihre Bottiche pinkeln konnten. Durch diese stinkende Herstellung von Blaufärbemittel wurde Erfurt im wahrsten Sinne des Wortes stinkreich. Bis das Indigo kam. Herber Schlag.

Auch die Entstehungsgeschichte der Uni von Erfurt ist interessant, denn die Gründer der Uni hatten zunächst beim Papst in Avignon angefragt, ob sie eine Uni gründen dürften. Der Papst hatte nichts dagegen. Als sie ihren offiziellen Bescheid beim Erzbischof vorlegten, wurde der stinkig, denn er hatte sich mittlerweile – so ein Briefwechsel brauchte einige Zeit – dem Papst in Avignon entsagt und sich dem Papst in Rom zugewandt. Falscher Papst. Also war die Genehmigung ungültig. Also fragten die Universitätsgründer beim „richtigen“ Papst an, welcher sich mit der Antwort Zeit ließ, schließlich war es ja eine Unverschämtheit, dass diese Rabauken zuerst beim falschen Papst angefragt hatten. Letztendlich erhielt Erfurt auch vom zweiten Papst eine Genehmigung und so kommt es, dass Erfurt die älteste, die drittälteste und die jüngste Uni Deutschlands hat, je nachdem, wie man Deutschland fasst und wie man zählt. Lange Zeit hatte Erfurt tatsächlich keine Uni, bis dieser Missstand 1994 behoben wurde.

Wenn Ihr jetzt noch wissen wollt, warum die Uni einst rosa angestrichen war und warum der Fischmarkt in Erfurt eine so große Bedeutung hatte, dann müsst Ihr die Führung selbst mitmachen. Es lohnt sich.

Anschließend habe ich mir noch den erst kürzlich entdeckten Schatz von Erfurt angesehen. Den hatte man 1998 erst gefunden, bei Bauarbeiten. Es handelt sich um einen richtigen Schatz aus Gold, Silber, Schmuck und so weiter. Er gehörte allerdings nicht einem Piraten sondern einem jüdischen Bürger von Erfurt, der ihn in weiser Voraussicht begraben hat. 1349 wurden nämlich alle Juden in Erfurt in einem von der Stadtregierung geplanten und angeheizten Pogrom umgebracht. Glücklicherweise fanden die Mörder den Schatz nicht und so konnte er bewahrt werden und ist heute in der Synagoge ausgestellt, die ebenfalls durch viele Zufälle bewahrt werden konnte, hauptsächlich deshalb, weil sie zu zugebaut worden war, dass niemand mehr wusste, dass es sie überhaupt gab. Riesig war das Erstaunen, als man in einem Gewirr von alten Mauern plötzlich eine vollständige Synagoge fand. Jetzt hat Erfurt seit einigen Jahren auch noch die wahrscheinlich älteste vollständig erhaltenen Synagoge in Europa.

Also, macht euch auf nach Erfurt. Das kleine Städtchen hat mich positiv überrascht. Und das nicht nur, weil ich ohne Erwartungen herkam. Es ist einfach malerisch mit seiner so gut erhaltenen mittelalterlichen Innenstadt.

Eure Beatrice!

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