In N’Dara braucht man Geduld, aber kein Telefon

N’Dara – Feuertänzer ohne Handyempfang

Das Dorf N’Dara liegt in der Nähe von Boundiali etwa 30 Kilometer von Korhogo im Norden der Elfenbeinküste. Es ist über eine verhältnismäßig gute Schotterpiste erreichbar, zumindest an Tagen, an denen es nicht allzu stark regnet. Pünktlich um 15 Uhr erreichen wir N’Dara, wo wir angekündigt waren und wo für uns der berühmte Feuertanz aufgeführt werden sollte.

Selbstverständlich ist um 15 Uhr niemand da bis auf ein paar Herren, die sich in ihren Schaukelstühlen hin und her wiegen, eine Horde spielender Kinder und fast genauso viele Schweinchen, die umher flitzen und sich in den Pfützen suhlen. Mein Reisebegleiter informiert mich darüber, dass wir zwar für 15 Uhr eingeladen und angekündigt waren, dass er aber normalerweise immer jemanden anruft, um die pünktliche Ankunft zu bestätigen.

Da in N’Dara aber flächendeckend kein Netzempfang besteht, ist mir nicht ganz klar, wie er jemanden anrufen will oder wie er das sonst immer geregelt hat. Bald erfahren wir, dass eigentlich alle Dorfbewohner in den umliegenden Feldern unterwegs sind, um Sturmschäden aus der vergangenen Nacht zu ermitteln und gegebenenfalls zu reparieren. Wir erfahren auch, dass es auf einem bestimmten Baum und an einer Ecke des Friedhofs möglicherweise doch Empfang mit dem Handy gibt, woraufhin sich mein Reisebegleiter dorthin begibt mich auf einer Bank unter einem großen Baum zurücklässt.

Ich beobachte Schweinchen, die nach etwas Essbarem suchen, Kinder, die Wasser vom Brunnen zu den verschiedenen Lehmbauten bringen und schließlich andere Kinder, die auf viel zu großen Fahrrädern fahren und das, obwohl sie nur eines der Pedale erreichen können.

Schließlich trudeln gegen 17:30 dann doch noch ein paar Erwachsene ein. Der erste bringt ein etwa 50 cm hohes buntes Pferd aus Holz und stellt es auf dem Dorfplatz ab. Etwas später erscheinen dann endlich Männer mit Musikinstrumenten und die Tänzer. Als die ersten Klänge des Balafons zu vernehmen sind, füllt sich der Dorfplatz im Handumdrehen mit Menschen. Mindestens 50 Dorfbewohner, mehr als die Hälfte von ihnen Kinder, sind gekommen, um sich den Tanz anzusehen. Das Spektakel scheint also nicht allzu oft stattzufinden. Auf dem hölzernen Pferdchen sitzt ein Mann mit einem eindrucksvollen federgeschmückten Kopfschmuck, der für die Tänzer verantwortlich ist.

Ich sehe mir also mit großem Interesse den Feuertanz an, den nur Initiierte Männer und Frauen tanzen dürfen, bevor sie verheiratet sind. Am Ende der Darbietung spaziert einer der Tänzer auf dem in der Mitte des Dorfplatzes entfachten Lagerfeuer umher und setzt sich schließlich darauf, um die Flammen zu ersticken. Damit endet der Tanz und alle gehen wieder ihrer Wege.

Wer sich für Stammestänze und -traditionen in Westafrika interessiert, der sollte auch N’Dara in Betracht ziehen. Man muss jedoch etwas Zeit und Geduld mitbringen. Ein Mobiltelefon ist hingegen nicht unbedingt sinnvoll.

Eure Beatrice!

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