Kosovo – Bier statt Klöstern

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Auf meiner Reise in den Kosovo erwarten mich einige Enttäuschungen aber auch positive Überraschungen. Die Spannung, die ich empfinde, als ich das Gebiet erreiche, das vor einigen Jahren noch nicht für Touristen zugänglich war, wird stark gemildert, als ich erfahre, dass die beiden Klosterkirchen, die auf der Liste des Unesco Weltkulturerbes stehen und die unheimlich schön und alt sind, nicht besucht werden können.

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Wegen irgendwelcher religiöser Spannungen und Querelen wird der Zugang immer wieder verwehrt und die K-FOR Truppen passen auf, dass nichts gravierenderes geschieht, als dass ein paar Steine fliegen. Obwohl ich ganz friedlich bin, habe ich keine Chance, dass die bewaffneten Bewacher der Anlage mir die Tore öffnen. Mein Reisebegleiter ist auch ganz enttäuscht und schwärmt mir eine Weile lang vor, wie wunderschön doch diese Klöster und die Kirchen sind. Na herzlichen Dank.

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Ich besuche eine vollkommen unpolitische Tropfsteinhöhle, auf die weder die Serben noch die Kosovo-Albaner Anspruch erheben. Ein junger Mann verlässt sogar eine feierliche Hochzeitszeremonie, um mir die Höhle zu zeigen. Er ist der Aushilfshöhlenführer, weil der eigentliche Experte wohl von der Feierlichkeit schon etwas in Mitleidenschaft gezogen ist. Ich werde herzlich empfangen und kann mir gut vorstellen, dass die Menschen im Kosovo bald den Tourismus ankurbeln werden. Ich streife anschließend ein wenig die Hauptstadt Pristina, die jedoch vor allem in den Außenbereichen wenig attraktiv ist.

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Zwischen vielen Graffiti und politischen Parolen sehe ich dann aber doch noch mehr Schönes: Die Stadt Prizren ist malerisch an einem kleinen Fluss gelegen, hat eine historische Innenstadt mit Moschee, Kirche und uraltem Hammam. Hier tobt das Leben. Alle Bewohner unter 90 sind am Samstagabend auf den Beinen und genießen die letzten warmen Herbstabende im Freien. Die Tatsache, dass der Krieg vorüber ist, hat wohl eine sehr positive Wirkung auf die Kneipenszene der Stadt und vor allem auf die Stimmung. Ich fühle mich pudelwohl.

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Am nächsten Morgen, als ich die serbisch orthodoxe Kirche besuche, die wie alle anderen dieser Kirchen von bewaffneten Soldaten bewacht wird, ist die Stimmung schon etwas weniger heiter. Innen wird leise und ernst eine Messe gefeiert, allerdings nur von etwa zwanzig Personen, der Rest der Serben hat Prizren verlassen.

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Ich erfahre viel über die Geschichte der Stadt, höre sehr unterschiedliche Standpunkte und merke, dass die Anspannung noch nicht ganz vom Kosovo abgefallen ist. Trotzdem ist es ein interessantes Reiseziel, das sicher bald wieder von sich reden machen wird – dann hoffentlich im positiven Sinne und ohne Blutvergießen.

 

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Als Ersatz für die entgangenen Klöster darf ich eine Brauerei besichtigen, die angeblich eines der besten Biere des Balkan produziert. Es ist etwas verwunderlich, dass in halb verfallenen Gebäuden hochmoderne Produktionsmethoden- und apparate am Werk sind, aber die Führung durch die heiligen Hallen des Peja-Biers ist unterhaltsam. Wer sich also für Bier und Tropfsteinhöhlen interessiert, der ist hier bestens aufgehoben. Es gibt hübsche Berge und vielleicht hin und wieder auch Klöster. Mehr über meinen Ausflug auf den immer friedlicher werdenden Balkan gibt es Ende des Jahres zu lesen.

Eure Beatrice!

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