Memphis – Teil 2: Memphis und der Ku Klux Klan

Es gibt eine fröhliche und eine traurige Geschichte aus Memphis. Das hier ist die traurige.

Nach dem Morgen in Graceland, verbringen wir den Nachmittag in einem kleinen Museum im Norden von Memphis: das Slave Haven Underground Railroad Museum von Memphis. Das Museum ist klein, aber ausgesprochen interessant und informativ. Es befindet sich in einem einstigen Farmhaus, das dem deutschen Immigranten Jakob Burkle gehört hatte und das eine Station auf der Underground Railroad war. Das bedeutet nicht, dass hier tatsächlich Züge unter der Erde fuhren, sondern nur, dass Burkle in dem Haus entflohene Sklaven aufnahm und sie weiter zur nächsten Station dieser geheimen Fluchtroute brachte.

Vor dem Haus stehen zwei Magnolienbäume, die den Flüchtenden anzeigten, dass es sich hier um ein sicheres Haus handelte. Wir sehen den geheimen Kellerraum und erfahren dann vieles darüber, wie die Sklaven, denen es verboten war, lesen und schreiben zu lernen, die Informationen über die Fluchtmöglichkeiten zu verbreiten. Dabei spielte Musik in Form von Spirituals und Gospels eine wichtige Rolle. Außerdem wurden Informationen durch in Stoffe gewebte Muster verbreitet, ohne dass die Sklavenhalter etwas ahnten.

Besonders grausam und schockierend sind die Beschreibungen der Bedingungen auf den Schiffen, die Sklaven zum Beispiel von Ghana nach Amerika brachten. Die Menschen wurden schlechter behandelt als Tiere und auch wenn zwanzig oder gar fünfzig Prozent die Überfahrt nicht überlebten, so war das ja kein Problem, denn die Sklavenschiffe waren versichert, unter anderem bei namhaften Unternehmen wie AETNA, NY Life Insurance oder Lloyd of London. Noch heute folgen die Haie aus Gewohnheit den blutigen Routen der Schiffe.

Die Sklavenmärkte waren denkbar unmenschlich. Nackt wurde die „Ware“ präsentiert. Familien wurden bedenkenlos auseinander gerissen, Kleinkinder im Dutzend billiger verkauft und fünfjährige Kinder als Wärmeflaschen für die Nacht angeboten. Es ist also nicht erstaunlich, dass Burkle und viele andere die Sklaverei abschaffen wollten und den Sklaven bei der Flucht halfen.

Die Konföderiertenarmee kämpfte im amerikanischen Bürger hauptsächlich gegen den Norden, weil sie das Recht, Sklaven zu halten nicht aufgeben wollten. Für mich als Touristin aus Deutschland ist es also unglaublich, dass die Generäle der Konföderiertenarmee in den Südstaaten noch heute wie Helden verehrt werden. Die Konföderiertenflagge weht noch immer an tausenden von Gebäuden und Plätzen, sogar öffentlichen.

Dass Hunderte von Menschen auf die Straße gehen, Hakenkreuzflaggen schwenken und Ku Klux Klan Kostüme tragen, um dagegen zu protestieren, dass Statuen, die Generäle aus dem Bürgerkrieg zeigen, entfernt werden, ist für mich unglaublich. Sie behaupten, dass es um ihre Geschichte und ihr Erbe gehe, aber wenn ihr Erbe darin besteht, für die Sklaverei und den Rassismus einzutreten, dann ist es nichts, auf das man stolz sein kann. Mehr als 1500 dieser Statuen stehen noch in den verschiedenen Staaten.

Die junge und sehr engagierte Dame im Slave Haven Museum erzählt uns, dass auch hier in Memphis eine Statue steht. Sie zeigt Nathan Bedford Forrest, der nicht nur ein Sklavenhalter und ein General in der Armee der Südstaaten im Kampf gegen die Abschaffung der Sklaverei war; er war auch der erste Großmeister des Ku Klux Klan und vermutlich eines der Gründungsmitglieder. Wir können es kaum glauben, dass man diesem Menschen, der für Hass, Rassismus und Gewalt steht, tatsächlich ein Denkmal gesetzt hat und vor allem, dass dieses Denkmal 2017 noch immer steht. Ich kann es noch weniger glauben, als mein Begleiter, der in den USA aufgewachsen ist und um den Rassismus und den vorgeschobenen Nationalstolz der Südstaaten weiß. Wir fahren also zu dieser Statue und finden im Health Science Park eine 5000 Kilo schwere Reiterfigur vor, die General Forrest zeigt. Neben ihr sind eine Überwachungskamera und ein Polizeiauto zu sehen, die dafür sorgen, dass der Gründer des Ku Klux Klans nicht beschmiert oder anderweitig belästigt wird. Die Tatsache, dass der Polizist in dem Auto ein Schwarzer ist, macht die Situation nur noch absurder.

Ok, Amerika steht dafür, dass jeder seine Meinung frei äußern darf, egal wie dumm diese ist, solange er niemandem schadet. Das klingt gut. Aber schadet man nicht den Menschen in Amerika und vor allem der heranwachsenden Generation, indem man einen Sklavenhalter, einen Verteidiger der Sklaverei, einen Mörder, einen Prediger des Hasses und des Rassismus und Gründer einer der gewalttätigsten Organisationen in der gesamten Weltgeschichte ein Denkmal setzt und damit den Anschein erweckt, dass dieser Mann verehrenswert ist? Ich denke schon.

Ich kann in dieser Nacht nicht gut schlafen, weil mir so vieles durch den Kopf geht. Ich glaube, ich muss dem Bürgermeister von Memphis einen Brief schreiben. Immerhin kommt ein winziges bisschen Bewegung in die Diskussion, leider erst, nachdem eine weiße Frau während einer Nazidemo tödlich verletzt wurde. Eine Statue wurde in Baltimore entfernt. Bald soll Präsident Jackson (ebenfalls ein Sklavenhalter) auf dem 10 Dollar Schein durch Harriet Tubman, eine entflohene Sklavin und Kämpferin gegen die Sklaverei ersetzt werden. Ich werde die Entwicklung verfolgen.

 

Eure Beatrice!

PS: Besucht unbedingt das Slave Haven Underground Railroad Museum in Memphis, falls ihr in der Nähe seid. Es wird leider von der Stadt und den Tourismusverbänden nicht unter den Top Sehenswürdigkeiten der Stadt geführt, aber es das ist es definitiv. Ein historischer Ort mit einer kompetenten Crew, die viele Informationen liefert. Www.slavehavenmemphis.com

 

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