Peking – Hektik auf Chinesisch

China ist eine Weltmacht in vielerlei Hinsicht. Auf jeden Fall aber hat mir mein letzter Besuch in der chinesischen Hauptstadt nur zu deutlich vor Augen geführt, dass die Chinesen die Weltmeister der Hektik sind. Natürlich kann man in einer Stadt mit Abermillionen von Menschen nicht auf ein ruhiges Fleckchen hoffen, aber die U-Bahn in Peking ist selbst für jemanden, der mit acht Geschwistern ein Zimmer teilen musste, eine Herausforderung.

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Wenn man sich erst einmal durch die undurchdringlichen Menschenknäuel am Flughafen und dann durch die Metro gezwängt hat, ist es eine Wohltat, auf dem Platz des himmlichen Friedens zu stehen und ein wenig durchzuatmen. An normalen Wochentagen schaffen es die Bewohner von Peking nämlich nicht, den Platz ganz unter einer Menschenmasse verschwinden zu lassen. Sie haben nämlich dann besseres zu tun.

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Wieder einmal ist das Mausoleum von Mao Tesdong geschlossen, denn ich bin wieder einmal an einem Montag in Peking. Das darf nicht zur Gewohnheit werden. Bei meinem nächsten Besuch muss ich unbedingt dem Vorsitzenden und seiner einbalsamierten Leiche die Ehre geben.

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In der Zwischenzeit schaue ich mir ein zweites mal die verbotene Stadt an, deren Name sehr irreführend ist. Hier geht es nämlich genauso weiter wie in der U-Bahn. Gefühlte zwei Millionen Menschen drängen sich durch die Gassen und zwischen den historischen Gebäuden, die einst der königliche Palast waren. Es ist leider fast unmöglich einen Blick in die Halle der höchsten Harmonie zu werfen, weil mir die dafür erforderliche Ausbildung im Nahkampf fehlt. Aber eindrucksvoll ist das uralte und gigantische Herrschaftshaus dennoch.

 

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Ein Mittagessen zu finden ist in der Stadt voller Menschen glücklicherweise eine sehr leichte Aufgabe. Die Millionen von Chinesen essen nämlich sehr gerne und wenn es geht auch viel. In Peking kommen die kulinarischen Einflüsse eines Landes zusammen, das genauso vielfältig ist wie ganz Europa. Und viele der Bewohner von Peking sind hervorragende Köche und Köchinnen.

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Man darf selbstverständlich nicht zimperlich und wählerisch sein. Wer bereit ist Entenfüße, Tausendfüßler oder Seegras in den wundervollsten Variationen und mit raffinierten Gewürzen als annehmbare Mahlzeit anzusehen, der wird in Peking den Himmel auf Erden finden.

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Wer in den Hutongs, den alten Vierteln der Stadt, seine Mahlzeit einnimmt, der muss mit etwas weniger Komfort den weit mehr als acht Kostbarkeiten begegnen. Als ich mit Hand- und Fußzeichen frage, wo sich denn die Toilette befindet, schnappt sich die kleine aber resolute Köchin einen Schirm und meinen Arm und zerrt mich hinaus in den strömenden Regen. Wir biegen um drei Ecken und schon stehen wir vor der öffentlichen Toilette, die es hier in den Hutongs schon seit Jahrhunderten in dieser Form gibt.

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Meine Begleiterin zeigt mir die Damentoilette und ich befinde mich in einem Raum von der Größe einer Garage, in der am Boden etwa ein Dutzend Hocktoiletten in den Boden eingelassen sind. Kaum eine der Damen blickt von ihren Verrichtungen auf. Eine ältere Dame liest etwas auf ihrem Smartphone und gibt eindeutige Geräuschte von sich. Selten habe ich eine solch authentische Darstellung der Vermischung von Tradition und Moderne gesehen. Ich bin heilfroh, dass ich keine größeren Erledigungen machen muss und verlasse die Gemeinschaftstoilette schnell wieder.

 

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Ein fast ruhiges Plätzchen finde ich zu meiner großen Überraschung tatsächlich am Ende noch mitten in Peking. Der Lama Tempel befindet sich in einer Straße, die von mindestens hundert Geschäften gesäumt ist, die Räucherstäbchen verkaufen. Hier gibt es einige friedliche Mönche, die sich eine Oase der Ruhe in der Hektik der Großstadt geschaffen haben.

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Peking könnte sich nicht stärker von London oder Paris unterscheiden, aber es gibt hier so viele spannende Sehenswürdigkeiten, Gebäude und Museen sowie jede Menge Dinge, die dem interessierten Beobachter aus Europa als sehenswert erscheinen, die aber in Peking einfach ganz normal sind.

Deshalb liebe ich diese Welt. Fahrt unbedingt hin!

Eure Beatrice!

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