Rom – When in Rome, do what the Romans do

Ostern in der ewigen Stadt mit unsäglich viel Kunst, einem toten Hummer und einer gefühlten Million Touristen

Die Frage, ob es denn eine gute Idee sei, an Ostern nach Rom zu fahren, wurde mir mehrfach gestellt. Ich konnte dazu nur sagen, dass ich unbedingt mal wieder nach Rom fahren wollte, sogar noch einen Begleiter gefunden hatte und nun mal am Ostermontag frei habe. Ich war vor etwa 15 Jahren schon einmal in Rom gewesen, auch am Osterwochenende. Damals war ich aber schlecht vorbereitet. Diesmal würde es mir nicht passieren, dass ich die Sixtinische Kapelle wegen Feiertagen verpassen würde. Voll Energie sind wir also freitags nach Rom geflogen.

Der Taxifahrer, der uns vom Flughafen zum Hotel brachte, demonstrierte eindrucksvoll den „italian way of life“ indem er in den 30er-Zonen mit 110 entlang fegte und uns trotz Fußgängerzone und Kopfsteinpflastersträßchen, die nur wenige Zentimeter breiter als sein Taxi waren, bis direkt vor die Haustür brachte. Die nächste Überraschung war, dass es im Hotel keine Rezeption gab. Telefonisch erhielten wir einen Code für die Eingangstür und man verriet uns, wo wir den Zimmerschlüssel finden konnten.

Am Ostersamstag drängelten wir uns dann dank eines „skip the line“-Tickets vor die zwei Häuserblocks weit reichende Schlange der Besucher der Vatikanischen Museen und ließen uns dann während drei Stunden von einer schieren Masse an Menschen durch die Gänge besagter Museen schieben. Ich war überwältigt von gleich mehreren Dingen: Die Vatikanischen Museen sind mehr als vollgestopft mit unsäglichen Schätzen. Jeder einzelne der Päpste etwa 2000 Jahren muss unter einer krankhaften Sammelleidenschaft gelitten haben. Sie gaben Kunstwerke in Auftrag und stellten ihre Gemächer mit den prachtvollsten Büsten, Statuen, Gemälden und Kunstgegenständen voll. Man könnte ein Dutzend Museen mit dem ganzen Kram füllen und hier hat man natürlich kaum Zeit, um sich ein Prozent der Dinge anzuschauen. Dazu wird man ja quasi durch die heiligen Hallen geschoben, denn tausende von Touristen sind unterwegs, so dass man kaum mal irgendwo eine der Statuen gebührend würdigen kann. Das war das zweite, was mich faszinierte: Diese Menschenmassen.

Wir hatten Glück und kamen ohne Verletzungen oder Verluste bis zur Sixtinischen Kapelle durch. Dort stehen hunderte von Menschen und starren an die Decke, die von Michelangelo in vierjähriger mühsamer Arbeit bemalt wurde. Obwohl er den Job gar nicht hatte haben wollen, muss ich zugeben, dass er sich echt Mühe gegeben hat. Das Gemurmel der Besucher schwillt zu einer stattlichen Geräuschkulisse an, die nur von den gelegentlichen Lautsprecherdurchsagen, die um Ruhe bitten, übertönt wird. Im Petersdom herrscht ähnliches Gedränge, was die Kunstwerke wie auch die Besucher betrifft.

Der Rest der Besichtigungen kann friedlicher ablaufen. Zwar müssen wir auch am Colloseum wieder jemandem den doppelten Preis zahlen, um an der gigantisch langen Schlange vorbei geschleust zu werden. Aber das Colloseum ist einfach ein Muss, vor allem, wenn man auf Gladiatorengeschichten steht. Ein begeisterter Fremdenführer erzählt tolle Geschichten von getürkten Kämpfen, heldenhaften Gladiatoren, Sklaven, die zu Volkshelden wurden und den hohen Kosten, die der Unterhalt eines solchen Stadions verursachte.

Dank meines Begleiters erlebe ich einen besonderen Teil des römischen Nachtlebens. Ich werde – wie schon in Paris – Zeuge des gewaltsamen Todes eines 750 Gramm schweren Hummers. Wir dürfen sogar mit in die Küche und der Exekution beiwohnen. Zielsicher finden wir im Gewirr der Gassen von Trastevere eine Bar, in der belgisches Bier angeboten wird. Eigentlich sind Brian und ich getreu dem Motto in den Abend gestartet: When in Rome, do what the Romans do. Aber in Sachen Bier können wir das leider nicht vier Tage lang durchhalten. Kulinarisch gesehen finden wir einiges, was die Römer jedoch echt gut können. Brian schätzt vor allem die Tradition, eine Vorspeise, dann ein Nudelgericht, dann ein Fleischgericht und schließlich einen Nachtisch zu essen. So geht niemand hungrig nach Hause.

Eins haben wir gelernt: In Rom kann man jede Wegbeschreibung folgendermaßen zusammenfassen: „Geh an der Kirche links!“ Eine Straße, in der sich keine Kirche befindet ist die absolute Ausnahme.

Eure Beatrice!

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