Santiago de Chile – Von Animitas und Pfirsichen

Stressfrei durch Santiago de Chile

Dieses Mal konnte ich meinen Besuch in Santiago de Chile ganz entspannt angehen, denn ich hatte vor knapp zwei Jahren schon alle wichtigen Sehenswürdigkeiten abgeklappert. Ich befand mich also in einer Stadt, die ich schon ein wenig kannte und ich fühlte mich vollkommen entspannt, weil ich nichts zu erledigen hatte. Mein Fernwehorgan und meine Abenteuerdrüse erlauben es mir nicht, mich an einem Ort aufzuhalten, ohne dessen Besonderheiten zu erkunden. Aber in diesem Fall konnte ich mich einfach zurücklehnen und ein wenig herum schlendern.

Natürlich fand ich trotzdem noch vieles, was es zu entdecken gab. Da wäre zum Beispiel eines der Häuser von Pablo Neruda, das zum Museum erklärt wurde. Hier kann man mit einem Audioguide bewaffnet durch die Räumlichkeiten streifen und sich seine etwas eigenwillige Sammlung von schrulligen Gegenständen anschauen. Immerhin ist auch ein Nobelpreis für Literatur dabei – den hat nicht jeder verrückte Sammler vorzuweisen.

Außerdem ist der Zentralmarkt von Santiago einen Besuch wert. Hier verkaufen die Einheimischen das vielgerühmte Obst und Gemüse aus lokalem Anbau. Die Pfirsiche schmecken wirklich einmalig gut – vor allem im Februar, wenn ich in Deutschland entweder 4 Euro für zwei harte saure Pfirsiche zahlen oder bis zum Juni warten muss, um etwas erschwingliches und schmackhaftes zu ergattern. Und selbst dann stammen die Früchte teilweise auch Chile.

Der Fischmarkt ist ebenfalls interessant, auch wenn es hier etwas weniger gut riecht. Es werden sehr interessante und teilweise sogar merkwürdige Meeresfrüchte angeboten. Unmittelbar am beziehungsweise im Fischmarkt gibt es außerdem eine Menge kleiner Restaurants, die den Fang des Tages im Handumdrehen in eine warme Mahlzeit verwandeln.

Wirklich sehenswert ist der Friedhof von Santiago de Chile. Er erinnert ein wenig an den Friedhof in Recoleta in Buenos Aires und ist fast genauso schön und prunkvoll. Die Gräber hier in Santiago sind nicht alle so schmuckvoll und imposant, aber manche sind dafür umso kreativer. Es gibt zum Beispiel ein Mausoleum, das die Form einer ägyptischen Pyramide hat. Eines sieht aus wie ein Aztekentempel und ein anderes ist dem Pantheon in Rom nachempfunden. Man fühlt sich hier ein wenig wie im Las Vegas der Friedhöfe. Besondere Aufmerksamkeit wird neben den monströsen Monumentalgräbern einem winzigen Nischengrab zu Teil: Hier ist Romualdito beerdigt, einer der Animitas, der guten Geister der Stadt. Es gibt ein halbes Dutzend Legenden, die erklären, wer Romualdito war. Auf jeden Fall wird man nur dann zu einem Animita, wenn man möglichst jung und am besten unter mysteriösen oder tragischen Umständen stirbt. Romualdito kann alle Wünsche erfüllen und da er das auch fleißig tut, hängen rund um sein Grab Dutzende von Danksagungstafeln.

Eure Beatrice!

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