Savannah – Von Forrest Gump und der Prohibition

Eine wunderschöne Altstadt mit besonderer Atmosphäre am Ostrand von Georgia

Savannah liegt im Osten von Georgia an der Mündung des Savannah Flusses in den Atlantik. Die Altstadt von Savannah soll eine der schönsten in ganz Nordamerika sein. Außerdem hat Forrest Gump in Savannah in einem Park auf der Bank gesessen und über seine berühmte Pralinenschachtel sinniert. Das sind schon genügend Gründe, sich diese Stadt einmal anzusehen.

Mein Hotel lag ein wenig außerhalb im Stadtteil Garden City, aber zum Zentrum waren es nur wenige Minuten und es war auch immer leicht, einen Parkplatz zu finden. Das muss man den Amerikanern ja lassen, dass sie für ihre Autofahrer recht gut sorgen. In der Altstadt von Savannah habe ich mich dann allerdings zu Fuß fortbewegt. Tatsächlich ist Savannah alles andere als eine rückständige alte Südstaatensiedlung. Die Innenstadt wirkt sehr modern, Geschäfte und Restaurants machen das Erdgeschoss der alten Gebäude zu einem Touristenparadies.

Hunderte von alten Fassaden aus der Gründerzeit sind liebevoll restauriert und erhalten, so dass man sich wie in einem dieser schmalzigen Südstaatenfilme fühlt, die die Zeit verherrlichen, als die Sklaverei noch nicht abgeschafft war. Trotzdem ist Savannah einfach schön, vor allem die Straße, die am Fluss entlang führt und die Parallelstraße dazu, in der sich die alte Baumwollbörse befindet.

Am Abend beginnt sich die Atmosphäre in Savannah dann von einer gemütlichen Filmkulisse in eine lebendige Partymetropole zu verwandeln. Während sich die Sonne langsam verabschiedet, übernehmen die Neonreklamen.

Wir habe in Savannah das wohl unasiatischste Thai-Restaurant aller Zeiten gefunden und zu den Klängen von Bon Jovi zwischen Footballübertragungen und Bierreklamen ziemlich gutes Pad Thai und Tom Yam Suppe genossen. Anschließend haben wir in einem stilvoll beleuchteten Biergarten bei angenehmen 28 Grad ein paar exotische Biersorten ausprobiert, zum Beispiel ein Guaven-Ale und ein norwegisches Weizen.

Am nächsten Tag stand dann neben dem Forrest Gump Park auch das Prohibitionsmuseum besucht, wo mit einer kreativen und anschaulichen Ausstellung dem Besucher die Periode der amerikanischen Prohibition näher gebracht wird. Zunächst sind Dutzende von Werbeplakaten und Illustrationen zu sehen, die die das Verbot von Alkohol propagierten. Einige davon sind geradezu lustig, vor allem, wenn man sich vorstellt, es handele sich um eine aktuelle Kampagne. Haupturheber hinter der Verteufelung des Alkohols waren die Kirchen und der Ku Klux Klan. Irgendwie kommt mir das alles komisch vor, denn viele Menschen verloren ihre Jobs und dem Staat entgingen beträchtliche Steuersummen. Tatsächlich wurden dann 1919 in Georgia – und um dieselbe Zeit auch in den meisten anderen US-Bundesstaaten –Prohibitionsgesetze erlassen. Die weitere Ausstellung dreht sich darum, wie die Menschen in Georgia und in anderen Staaten das Gesetz umgingen. Diese Abteilung ist besonders interessant, denn sie zeigt, wie kreativ der Mensch sein kann. Natürlich wurde illegal gebrannt und geschmuggelt, wozu eigens superschnelle Autos gebaut wurden, aus denen schließlich die Nascar-Rennen entstanden. Zudem gab es in den Gesetzen natürlich Schlupflöcher. So war es zum Beispiel möglich, in der Transitionsperiode die privaten Vorräte im Keller aufzustocken oder jüdischen Messwein zu verkaufen oder Alkohol von einem Arzt aus medizinischen Gründen verschrieben zu bekommen. Die Drogeriekette Wallgreens soll im Grunde einzig zu diesem Zweck gegründet worden sein. Nach einigen Jahren, in denen das organisierte Verbrechen mit Alkoholschmuggel stinkreich wurde, wurde dann schließlich das Prohibitionsgesetz wieder abgeschafft.

Alle waren glücklich als es endlich 1933 hieß: Beer is back! Und das kann man nun in der schönen Altstadt von Savannah abends bei sommerlichen 30 Grad genießen. Man muss nur aufpassen, welche Kneipe man wählt, denn es wird in vielen ernsthafte Country-Musik gespielt.

 

Eure Beatrice!

 

 

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