Suchitoto – indigoblaue Guerillahochburg

Suchitoto klingt beinahe japanisch. Ist es aber nicht.

Der Name kommt aus der Nahuatl Sprache und bedeutet Blumenvogel. Es ist der Nahuatl Name des Schwarzkehltrupials, ein eher kleiner aber ziemlich gelber Singvogel, der hier lebt. Suchitoto ist der beste Ort für alle, die sich vor Erdbeben fürchten, denn die Stadt ist auf einer dicken Schicht aus Basaltsteinkolonnen gelegen. Diese federn Erdbeben perfekt ab. Als im Januar 2011 ein Beben der Stärke 8,1 große Teile von El Salvador fast dem Erdboden gleich machte, haben die Bewohner von Suchitoto kaum eine Erschütterung bemerkt.

Wenn man ein wenig aus der Stadt hinaus fährt kann man einen schönen Blick auf den riesigen Stausee werfen, den Suchitlán See. Hier wurde der Lempa Fluss gestaut. 40.000 Menschen mussten umgesiedelt werden, aber der See liefert mit seinen Wasserkraftwerken heute 40% der Energie des Landes. Die Landschaft sieht friedlich und grün aus rund um den länglichen und von vielen Inseln durchsetzten See. Ich werde auf eine Insel aufmerksam gemacht, auf der sich ein weißes Flugzeug erkennen lässt. Ich erfahre, dass dieses Flugzeug ein Geschenk der US Air Force an die Air Force von El Salvador war. Leider erlitt es eine ziemlich schlimme Bruchlandung auf dem See. Einer der hiesigen Fischer schaffte es, einen der vier Insassen aus den Fluten zu retten. Er wurde als Held gefeiert. Die Air Force fragte ihn, was er sich als Belohnung wünsche. Er antwortete: „Kriege ich Bier?“ Man brachte ihm Bier und schmiss eine riesige Party für ihn. Auf der Party wurde er dann wieder gefragt, was er sich denn wünsche – jetzt mal ehrlich. Leider war er zu dem Zeitpunkt schon etwas betrunken und so wünschte er sich, das Flugzeug behalten zu dürfen. So kam er in den Besitz der Maschine, die heute flugunfähig auf seiner Insel steht.

Diese friedliche und grüne Umgebung ist einst eine Rebellenhochburg gewesen. Von Suchitoto aus werden Wanderungen durch die Wälder angeboten, die von echten Guerilla-Kämpfern geleitet werden. Entlang der Pfade, die durch immergrünen Sekundärwald führen, kann man noch die Überreste von Guerilla-Camps sehen. 

Ich erfahre so einiges über die Jahre, in denen Suchitoto eine Hochburg der Guerilla war. In den 80ern war hier ganz schön etwas los, als die von den USA finanziell unterstützte Armee und die Guerilla sich Gefechte lieferten. Die Rebellen arbeiteten mit allen möglichen Tricks, die sie von ehemaligen Kämpfern aus Vietnam und aus Kuba erhielten. Die rauchfreie Urwaldküche ist nur eine Erfindung aus dieser Zeit. Der Krieg forderte insgesamt 80.000 Todesopfer im Land. 20.000 Menschen waren verschollen. Ein Glück also, dass schließlich Frieden eingekehrt ist.

Suchitoto war einst steinreich, nachdem die Spanier hier Indigopflanzen mit 65% wirksamen Inhaltsstoffen entdeckten. Das beste bisher bekannte Indigo (mit 25%) kam aus Indien. Schnell wurden Suchitoto und der Rest des damaligen El Salvador zu florierenden Indigoexporteuren. Leider entdeckte dann ein deutscher Chemiker namens Bayer durch einen blöden Zufall einen sehr wirksamen künstlichen blauen Farbstoff und das Wirtschaftswunder war vorbei. Das meiste Geld hatten ohnehin die spanischen Besatzer gemacht.

Suchitoto war eigentlich nur zufällig auf meiner Reiseroute gelandet, hat sich aber als sehr interessantes Ziel herausgestellt, das zahlreiche Infos und Geschichten enthielt. Auf den beiden Kirchtürmen der Stadt befinden sich zum Beispiel zwei riesige weiße umgedrehte Suppenschüsseln. Und man kann hier einer 97-jährigen Lady beim Zigarrenrollen zusehen.

 

Eure Beatrice!

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