Baotou – Die Waffenstadt
Baotou ist die größte Stadt der Inneren Mongolei, aber nicht die Hauptstadt. Trotzdem darf Baotou auf einer Reise durch diese Region nicht fehlen. Baotou hat seinen ganz eigenen ungewöhnlichen Charme.


Die erste Attraktion in der Nähe von Baotou ist die Kubuqi-Wüste. Das spricht man übrigens Kubuchi aus, oder so ähnlich. Die Chinesen lachen immer herzlich, wenn ich egal was ausspreche.
In der Kubuqi-Wüste gibt es eine wunderschöne Landschaft bestehend aus Sanddünen bis zum Horizont. Von einem riesigen Parkplatz aus fährt eine Seilbahn über einen breiten im Sommer fast ausgetrocknene Fluss in die malerische Landschaft.
Dann aber erfahre ich, was die Chinesen unter „wir kontrollieren die Wüste“ verstehen. Sie haben diese eintönige Landschaft, in der es ausschließlich Sand gibt, in eine Touristenattraktion erster Klasse verwandelt. Schon direkt hinter der Seilbahn werden Cowboyhüte und Schlitten verkauft. Dann sehe ich auch schon die Achterbahnen, das riesige Kettenkarussell, eine gigantische Festjurte und natürlich die KFC-Jurte.


Man hat sich die Wüste Untertan gemacht und die Menschen strömen in Massen zu dem Vergnügungspark. Viele der Kinder, die hier unterwegs sind, wären wahrscheinlich auch mit dem gigantischen Sandkasten zufrieden, den die Wüste schon auf natürliche Weise darstellt. Sie graben, bauen Burgen und ziehen Kreise und Zeichen in den Sand.
Die Erwachsenen scheinen die Achterbahnen und anderen Attraktionen fast mehr zu genießen als ihre Kinder. Ich lasse mich zu einer Runde Zipline und einem Kamelritt überreden. Dabei versuche ich, ab und zu mal einen Blick auf die schöne Landschaft zu werfen. Ich wäre auch ihretwegen hierher gekommen. Ich mag Wüsten.


Mitten in Baotou, einer Stadt mit Steinkohle und Stahlindustrie, ist der Waffenpark eine der Hauptattraktionen. Es ist ein merkwürdiger Park, der von einer der Waffenfabriken gespendet wurde und der einem der besten Ingenieure in der Geschichte der chinesischen Verteidigungsindustrie ein Denkmal gesetzt hat. Neben dem Denkmal sind zahlreiche Panzer, Haubitzen und Raketenwerfer aus dem Jahr 1999 ausgestellt. Sie dienen Kindern als Spielplatz.
Es gibt noch eine weitere Attraktion in der Umgebung von Baotou und zwar das Wudangzhou Kloster. Es befindet sich erst seit ein paar Jahren in der Nähe, denn vorher war die Straße zu dem entlegenen buddhistischen Kloster so schlecht, dass nicht einmal die Plünderer der Kulturrevolution die Mühe auf sich nahmen dorthin zu fahren.


Ein Glück, denn das Kloster hat unbeschadet die Kulturrevolution überstanden und ist bis heute in Betrieb und die Gebäude sind zum Großteil im Originalzustand. Vor fast 300 Jahren kamen tibetische Mönche in die Innere Mongolei und verbreiteten dort mit der Unterstützung des damaligen Herrschers den buddhistischen Glauben nach dem Vorbild Tibets.


Die Anlage erinnert tatsächlich an Tibet. Sie wirkt allerdings etwas weniger lebendig als andere Klöster dieser Art, die ich bereits gesehen habe. Das top-moderne Besucherzentrum mit kleinen Elektro-Shuttles hilft da auch nicht. Angeblich gibt es hier tatsächlich noch um die 100 Mönche. Immerhin. Die Unterschiede zwischen der Gelbmützensekte in Tibet und ihrem Pendant in der Inneren Mongolei sind interessant. Ich werde in meinem nächsten Buch davon berichten. Und natürlich auch mehr aus Baotou.
Eure Beatrice!


