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Ordos – Geisterstadt mit Dschingis Kahn

Ordos – Das Mausoleum, das gar keins ist

Habt ihr schon mal von Ordos gehört? Wer sich nicht näher mit Dschingis Kahn auseinandersetzt oder sich für Steinkohle interessiert, wird dem Namen Ordos nicht begegnet sein. Mir ging es genauso, bis ich mich mit Dschingis Kahn beschäftigt habe. Das war schon 2013, als ich in der Mongolei war, das Land, das wir im Westen gemeinhin mit Dschingis Kahn verbinden.

Ist man allerdings in China, oder besser gesagt in der Inneren Mongolei, der zweitgrößten chinesischen Provinz, dann sieht das Thema wieder etwas anders aus.

In Ordos steht es nämlich: Das wahre und einzige Mausoleum des berühmten Nomadenkriegers Dschingis Kahn. Oder etwa doch nicht?

Fest steht, dass in Ordos ein gigantisches Mausoleum und Denkmal steht und zwar zu Ehren von Dschingis Kahn. Es ist beinahe bipolar. Zuerst tut die chinesische Regierung alles, um die Mongolen in der Inneren Mongolei zu einer Minderheit zu machen. Sie machen nur noch 30% der Bevölkerung aus. Und jetzt feiern sie diesen blutrünstigen Volkshelden, der einst mit seiner Nomadenarmee zehntausende Menschen von Russland bis zur Donau abgeschlachtet hat.

Das Denkmal hat Ausmaße, die mich an Kim Il Sung erinnern. Es ist wirklich eindrucksvoll. Der Audioguide ist hinterlegt mit heroisch-dramatischer Musik und das Leben von Dschingis Kahn, von seiner harten Kindheit über seine Schwierigkeiten, die er antraf, als er seine zahlreichen Ehefrauen entführte und ihre Völker unterwarf bis hin zu all den Legenden, die sich um seine Person ranken und ihn nahezu gottgleich erscheinen lassen.
Das Mausoleum präsentiert ihn wie einen Gott mit stattlichen Statuen, Lobreden und Altären, an denen die Menschen Opfergaben hinterlassen. Auch ich habe mich eingereiht in die Schlange der Verehrer Dschingis Kahns und ich habe ihm meinen bescheidenen Wunsch dargebracht. Man hat mir versichert, dass er in Erfüllung gehen wird.

Der Rest von Ordos ist ebenfalls groß, aber im Gegensatz zum Dschingis Kahn-Kult im Untergang begriffen. Von 4 Millionen Einwohnern noch vor 15 Jahren sind bloß noch eine Million übrig. Daran ist der gefallene Kohlepreis schuld. Ordos ist seit einigen Jahren eine Art Geisterstadt, aber eine sehr moderne. Die Bauruinen sind 20 Stockwerke hoch und teils stehen die Kräne noch unverändert da.

Dank der akuten Immobilienkrise kann ich es mir leisten, in einem riesigen Crown Plaza Hotel abzusteigen. Sehr chic. Allerdings auch recht einsam, denn fast alle Läden und Restaurants in dem von einem großzügigen Park umgebenen Luxushotel sind geschlossen. Eine Million ist ja immerhin nach europäischen Maßstäben noch eine ziemlich große Stadt und wo so viele Menschen leben, findet man natürlich auch was Leckeres zu essen.

Ich bin gespannt, wie mein Besuch in der Inneren Mongolei weitergeht.

Eure Beatrice!

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