Halabdscha – Niemand kennt die Zahl der Todesopfer
Im Jahr 2003, als die USA Saddam Hussein und die Baath Partei beschuldigten, chemische Massenvernichtungswaffen zu besitzen und unter diesem Vorwand einen Krieg begannen, wurden keine chemischen Waffen oder andere Massenvernichtungswaffen gefunden.


1988 jedoch hatten die Machthaber der Baath Partei solche Waffen und sie haben diese eingesetzt. Das ist gar nicht mal so lange her. Zu der Zeit war das Leben in Deutschland schön und friedlich. Ich bin morgens zu Fuß zur Schule gegangen, habe auf dem Rückweg beim Bäcker angehalten und mir Süßigkeiten gekauft und bin nachmittags mit dem Rad mit meinen Freunden durch die Wälder gefahren.
Zu der Zeit, im März 1988 geschah in Halabdscha das Unaussprechliche. Das irakische Militär warf auf Befehl von Saddams Leuten zunächst Bomben über der Stadt ab, damit alle Fensterscheiben zu Bruch gingen. Dann folgten die Bomben, in denen sich das verheerende Saringas und Senfgas befanden. Das Gas breitete sich rasend schnell in der Stadt aus und tötete die meisten Opfer unmittelbar.


Viele andere starben in den kommenden Wochen an den Folgen oder mussten Jahre lang mit verschiedenen Krankheiten kämpfen. Die meisten Opfer waren Frauen und Kinder. Fast alle waren Zivilisten.
Der Abgriff auf Halabdscha – aller Wahrscheinlichkeit nach ein Vergeltungsschlag gegen vermeintliche Kollaborateure mit dem Feind im Iran – war nicht der einzige, nicht der erste und wahrscheinlich nicht einmal der schlimmste dieser Art. Saddam und seine Schergen setzten Chemiewaffen in mehreren kurdischen Orten ein.


Was Halabdscha und das Massaker hier so besonders macht, ist die Tatsache, dass dieser Massenmord der einzige ist, der dokumentiert wurde. Als wenige Stunden nach den Bomben einige Fotografen eintrafen, bot sich ihnen ein grausames Bild. In den Straßen lagen tausende Leichen. Überall. Tote Männer, Frauen und Kinder.
Ich habe in Halabdscha das Mahnmal, das Museum und den Friedhof besucht und mir von einem Überlebenden die gesamte Geschichte erzählen lassen.
Mehr über dieses grausame Kapitel der irakischen Geschichte in meinem nächsten Buch.
Eure Beatrice!


