Augsburg – Ohne Puppenkiste
Ich kannte Augsburg im Grunde nur von der berühmten Puppenkiste, Urmel, Jim Knopf und all di anderen, aber leider war das Marionettentheater im Sommer geschlossen. Trotzdem hat mich die Stadt sofort in ihren Bann gezogen an einem sonnigen Tag.


Augsburg bietet viel Geschichte. Einst war sie sogar die drittgrößte Deutschlands, und das merkt man, wenn man durch die Altstadt schlendert: Von der alten Römerstadt ist nichts mehr zu sehen, dafür umso mehr von den großen Familien des Mittelalters. Heute herrscht eine angenehme, gemütliche Stimmung. Zwischen Augsburg und München gibt es eine amüsante kleine Fehde, über die man bei einer Stadtführung fast schon mehr erfährt, als einem lieb ist. Dass Augsburg heute im Schatten der Landeshauptstadt steht, haben die Bewohner nie verwunden. Aber sie nehmen es mit Humor und feiern jeden kleinen Sieg.
Was Augsburg aber wirklich einzigartig macht, ist das Wasser. Die Altstadt ist von zahllosen Kanälen und Brücken durchzogen, Wasser plätschert an jeder Ecke, und die Brunnen sind ein echter Augenschmaus. Kein Wunder, dass Augsburgs Wasser sogar UNESCO-Welterbe ist: Über 20 faszinierende Bauwerke, von alten Schleusen bis zu prächtigen Brunnen, erzählen davon, wie die Stadt schon vor Jahrhunderten das Wasser bändigte und für alle nutzbar machte. Schon im Mittelalter gab es Trinkwasser aus dem Lech direkt in die Stadt – ein echtes Technikwunder für damalige Verhältnisse. Bis heute leidet die Altstadt nie unter Überschwemmungen.


Und dann sind da natürlich die Fugger, eine Familie, die nicht nur in Augsburg bekannt ist. Jakob Fugger, genannt „der Reiche“, war ein echter Tausendsassa: Bankier, Handelsherr und einer der reichsten Männer seiner Zeit. Vielleicht sogar der reichste Mann jemals. Die Frauen in seiner Familie haben viel dazu beigetragen, wurden aber im Nachhinein aus den Chroniken gelöscht. Heute kann man in der Fuggerei, der ältesten Sozialsiedlung der Welt, noch sehen, wie die Familie ihren Reichtum für gute Zwecke einsetzte. Man muss sich mal vorstellen: Bis heute zahlen die Bewohner der Fuggerei weniger als einen Euro Miete im Monat, müssen dafür aber täglich drei Gebete für das Seelenheil von Jakob Fugger beten. Und sie müssen es natürlich auch so meinen.


Der Dom von Augsburg hat mir auch imponiert, mit seiner Krypta, einem schönen Kreuzgang voller merkwürdiger alter Grabsteine, Gedenkplatten und Skulpturen und voller alter Gemälde. Es gibt noch jede Menge weitere Kirchen in Augsburg und sogar ein Brecht-Haus, obwohl Bertold Brecht kein Fan von Augsburg war. Er soll sogar einmal gesagt haben, dass das Beste an der Stadt Augsburg die Zugverbindung nach München sei. Sakrileg!
Wie auch immer. In Augsburg gibt es viel zu sehen. Hat mir gut gefallen.
Eure Beatrice!





