Lalibela – Zu Besuch beim heiligen Baumeister George

Lalibela – Felsenkirchen und Knoblauchshampoo

Die Stadt Lalibela liegt im Norden von Äthiopien. Es ist einer dieser Plätze auf der Erde, an denen man sich der Magie, der Atmosphäre und der Mystik des Ortes einfach nicht entziehen kann. Ich kann mich noch so gut an das internationale Touristenhotel in Lalibela erinnern, das nur ein paar Stunden am Tag Strom und fließendes Wasser zu bieten hatte. Im Shop des Hotels wurden Trinkwasser in Flaschen, Pilze in Dosen und Shampoo in den Duftrichtungen Ei, Ingwer und Knoblauch angeboten. Warum der Shopbesitzer dachte, dass die betuchteren Touristen sich Dosenpilze und Knoblauchshampoo kaufen wollten, konnte ich nicht herausfinden.

Im Gegensatz zu den Hotels, in denen die einheimischen Pilger unterkommen, war es jedoch ein Luxusschuppen. Die meisten Besucher von Lalibela wohnten in Wellblechhütten ohne Strom oder festen Fußboden. Sie wollten aber alle unbedingt diesen magischen Ort besuchen. Immerhin das hatten wir gemeinsam.

Lalibela ist wie gesagt einfach zauberhaft. Es gibt hier Menschen, die als Schuhträger arbeiten und den Touristen auf der Besichtigungstour durch die Felsenkirchen ihre Schuhe hinterhertragen. So einen Schuhträger musste auch ich engagieren. Er hieß Fizu und wurde mir wärmstens empfohlen.

Während Fizu meine Schuhe von einer Tür zur anderen brachte, konnte ich also die verschiedenen Felsenkrichen bewundern. Es gibt elf davon und sie sind etwa 900 Jahre alt. Es muss eine unheimlich mühselige Arbeit gewesen sein, diese Kirchen aus dem blanken Stein zu hauen. Das einzige Baumaterial, das hier verwendet wurde ist der Fels. Mit Meißeln, Hämmern und Beilen wurden so lange Stücke daraus entfernt, bis Treppen, Türen, Fenster, ja ganze Kirchen übrig geblieben waren. Der schiere Wahnsinn.

Einige der elf Kirchen sind eher Höhlenkirchen, andere bestehen aus einer Höhle und einer verzierten aus dem Stein gehauenen Fassade. Aber natürlich gibt es noch die bekannteste der Felsenkirchen von Lalibela, die St. George Kirche. Sie ist das Meisterwerk, dessentwegen alle ausländischen Besucher eigentlich nach Lalibela kommen. Diese Kirche wurde tatsächlich vollständig auf dem Felsen geschlagen. Sie ist kreuzförmig, hat Wände, ein Dach und alles, was ein Gebäude braucht.

Angefangen hat all dies damit, dass die Mutter eines der äthiopischen Könige einen Traum hatte, in dem ihr jüngster Sohn, der Lalibela hieß, von einem Schwarm Bienen umschwirrt wurde. Daraufhin sagte ihr der Traumdeuter, dass das ein eindeutiges Zeichen dafür sei, dass dieser Sohn der König von Lalibela werden würde. Was wie eine gute Nachricht klingt, war für den Thronfolger, den ältesten Sohn eher eine schlechte Nachricht. Der Kronprinz Harbay vergiftete also seinen kleinen Bruder, um ihn daran zu hindern, König zu werden. Das Gift brachte Lalibela nicht um. Es sorgte allerdings dafür, dass er drei Tage schlief und dabei eine Erscheinung hatte: Gott trug ihm auf, nach Jerusalem zu fahren, sich alles dort genau anzusehen und es dann in Äthiopien genauso nachzubauen.

Ebendas tat Lalibela, nachdem er sich von seinem Giftrausch erholt hatte. Und das Ergebnis davon sieht man nun in Lalibela: Elf unglaubliche Felsenkirchen, die in meinen unkundigen Augen nicht die geringste Ähnlichkeit mit Jerusalem haben. Aber was weiß ich schon!

Wenn Ihr nun noch wissen wollt, was der heilige Georg mit all dem zu tun hat, müsst Ihr mein Buch „Diagnose Fernweh“ lesen. Mehr Geschichten aus Äthiopien sind auch in „Sehnsucht nach überall“ zu finden.

Eure Beatrice!

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