Tibet – The fast and the puture

Karo La Gletscher Tibet

 

 

 

 

 

 

 

Tibet ist ein faszinierendes Land, das kann sich jeder vorstellen, der “7 Jahre in Tibet” mit Brad Pitt gesehen hat. Nun trifft man in Tibet leider weder Brad Pitt noch den Dalai Lama an, denn der musste ja bekanntlich vor vielen Jahren sein Land verlassen und lebt seither in Indien. Hin und wieder begegne ich einem Foto des amtierenden Dalai Lama, aber nur in den abgelegenen Regionen Tibets, denn die chinesischen Besatzer sehen solche Fotografien nicht gerne. Kaum vorstellbar, dass dieser immer lächelnde und so friedliche Mensch der Staatsfeind Nummer 1 einer so mächtigen Nation wie China sein kann – aber so scheint es zu sein.

Tibet Himalaya

 

 

 

 

 

 

Die chinesischen Soldaten ruinieren in Lhasa, der Hauptstadt von Tibet, die Atmosphäre. Ich muss es leider so krass formulieren, denn es ist unheimlich schade, dass die bewaffneten Chinesen zwischen den Pilgern auf und ab marschieren und dabei die einzigen sind, die nicht im Uhrzeigersinn um den Jokhang Palast herum gehen. Hier herrscht trotz der Besatzer, denen die ständig betenden Tibeter ein Dorn im Auge sind, geschäftiges Treiben. Mehrere hundert Menschen sind unterwegs und beten, schwingen ihre Gebetsmühlen und murmeln vor sich hin. Ich sehe sogar Menschen, die sich auf dem Weg rund um den Palast bei jedem Schritt niederwerfen, um sich selbst einer Art Reinigungsritual zu unterziehen.

Gyantse

 

 

 

 

 

 

Zu viele Mönche haben in Tibet in den vergangenen Jahrzehnten ihre Freiheit und ihr Leben verloren. Dennoch findet man auf einer Reise durch Tibet einige Mönche in den verschiedenen Klöstern, die für alle Tibeter von großer Bedeutung sind. Mein Reisebegleiter Puchang zeigt mir Klosteranlagen, die Frieden und Ruhe ausstrahlen. Je weiter wir uns in die Berge begeben desto ruhiger und friedlicher wird es um uns herum.

 

Berge zwischen Lhasa und Shigatse Mönche im Kloster Sera

 

 

 

 

 

 

 

 

In Gyantse und in Shigatse, zwei Städte, die mitten im Himalaya Gebirge hinter aufregenden Gebirgspässen versteckt liegen, ist die Ruhe beinahe erdrückend. Ich bin froh, dass wir im Auto hin und wieder eine Gebets-DVD oder eine Musik-CD einlegen. Leider scheint unser Fahrer aus unerfindlichen Gründen die Lieder von Andrea Berg zu lieben. Dabei versteht er nur ein einziges deutsches Wort: Kaugummi. Das hilft ihm nicht sehr viel weiter. Puchang spricht glücklicherweise sehr gut englisch, auch wenn er meist das F und das P durcheinander schmeisst.

 

Kloster Drepung

 

 

 

 

 

 

 

Ich lerne in Tibet viel über den Buddhismus. Man muss immer im Uhrzeigersinn gehen. Ich erfahre, wie ich zumindest einige der über hundert verschiedenen Buddhafiguren und -reinkarnationen auseinander halten kann. Ich kann nach einigen Tagen ein kleines, wenn auch sehr kurzes Gebet, aufsagen und ich liebe die Atmosphäre der größtenteils verlassenen aber dennoch sehr gepflegten Klosteranlagen.

 

Om Ma Ni Pat Me Hum

 

 

 

 

 

 

Im Kloster Sera darf ich einer Debattierstunde der Mönche beiwohnen. Ich verstehe zwar kein Wort, aber Puchang erläutert mir den Sinn dieser Übungen, die dazu dienen, den Geist der Mönche zu schulen. Jeweils zwei oder drei junge Mönche tun sich mit einem erfahreneren Mönch zusammen und diskutieren Fragen wie “Was kam zuerst: das Huhn oder das Ei?” Die Fähigkeit, sich einer Fragestellung von beiden Seiten nähern zu können und kultivierte Debatten führen zu können wird meiner Meinung nach in Europa vernachlässigt. Puchang erklärt mir, dass die Mönche in der Regel politisch sehr aktiv sind und alle eine eigene Meinung zur aktuellen Situation Tibets haben. Leider dürfen solche Fragestellungen nicht öffentlich und eigentlich auch nicht hinter den Klostermauern geführt werden. Das wird sich aber hoffentlich eines Tages ändern.

Gläubiger in Lhasa

 

 

 

 

 

 

Puchang ist ganz glücklich, als ich ihm davon erzähle, dass in Katmandu die tibetische Flagge frei über den Häusern wehen darf. Ich muss ihm mehrfach davon erzählen und der Gedanke daran scheint ihm Hoffnung zu machen.

Kulinarisch ist Tibet für mich ein Paradies. Es gibt unendlich viele Varianten von Gemüsecurry und anderen fleischlosen Gerichten. Über meine Erlebnisse mit der tibetischen Küche könnt Ihr in “Diagnose: Fernweh” mehr lesen. Tibet hat mich verzaubert und gleichzeitig ein wenig traurig gestimmt. Ganz bestimmt werde ich wieder in dieses faszinierende Land reisen. Auch wenn sich die Mitglider der EU nicht trauen: Ich erkenne Tibet als Land an!

Eure Beatrice!

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