Antigua und Barbuda – Zwergstaat mit 40 Festungen
Der winzige Staat Antigua und Barbuda liegt auf meiner Route durch die Karibik und ich habe eine Tour mit Kim gebucht, die mir ihre schöne Insel Antigua zeigen will. Wir haben einen ganzen Tag Zeit, aber schon nach einer halben Stunde sind wir von einem Ende der Insel zum anderen gefahren. Es gibt einige Sehenswürdigkeiten auf der Insel, die im Vergleich zu ihren Nachbarinseln sehr viel flacher ist. Barbuda ist jedoch noch flacher, eigentlich nur eine Sandbank, die maximal 10 Meter aus dem Meer herausragt. Antigua hat immerhin ein paar Hügel, die ein paar hundert Meter aufragen. Auf vielen davon stehen alte Festungen.


Die Festungen sind von den Briten gebaut worden. Etwa vor 300 Jahren, zu der Zeit, als die Briten auch 90% aller Mahagonibäume gefällt und geklaut haben. Stattdessen haben sie Zuckerrohr gepflanzt.
5000 Soldaten der britischen Armee und Navy waren auf Antigua stationiert, weshalb es keine Piratenangriffe gab. In den 1700er Jahren gab es 40 Festungen und einige kann man bis heute sehen. Wir schauen uns Fort Blockhouse an. Von hier oben hat man einen tollen Ausblick auf den Südteil der Insel. Wir sehen die Halbinsel, wo Eric Clapton gelebt hat. Kim erzählt davon, dass er hier auf Antigua seine Sucht überwunden hat, welche auch immer das war. Zum Dank an die Insel hat er ein modernes Entzugszentrum bauen lassen. „Die amerikanischen Stars kommen hierher und zahlen horrende Summen um fernab neugieriger Augen ihren Entzug zu machen. Die Bewohner von Antigua werden in dem Zentrum kostenlos behandelt.“ Auch Eddy Murphy lebt auf Antigua. Er hat sich jedoch für die Insel entschieden, weil sie keine Einkommenssteuer erhebt.


Wir fahren zum Nelson Dock Yard, wo sich einst eine Werft befand. „Das waren harte Zeiten“, sagt Kim. Die Männer, die hier gearbeitet haben, sind reihenweise gestorben, an Gelbfieber, Malaria und anderen Krankheiten, aber hauptsächlich an Bleivergiftung. „Fast alles war damals mit Blei versehen, selbst Makeup.“ Die Seemänner haben kein Makeup getragen, aber sie waren ständig mit Blei in Kontakt. „Viele wurden nicht älter als 20. Und keiner wollte hier arbeiten. Es war die Hölle. Anders als jetzt, wo es wunderschön hier ist. Man hat die jungen Männer betrunken gemacht und sie mehr oder weniger zwangsrekrutiert.“
Tatsächlich ist es hier heute paradiesisch schön. In der Umgebung des Museums am Nelson Dock Yard liegen Luxusjachten. Nicht weit davon liegt der traumhafte Pigeon Strand. Die gesamte Insel hat 365 Strände, für jeden Tag des Jahres einen. Die meisten Resorts liegen im Osten, am karibischen Meer, das ruhiger ist als der Atlantik.
Die Idylle hat aber auch ihre Tücken. Es gibt zum Beispiel keine Flüsse oder Seen auf der Insel. Trinkwasser ist rar, denn ohne Berge regnet es auch weniger als auf den anderen Antillen. Das Leitungswasser ist entsalztes Meerwasser. „Man sagt uns, wir können es trinken, aber das tut niemand“, sagt Kim.


Daher freuen sich alle auf die Regenzeit, die von Juni bis November reicht. Leider ist das auch die Hurricane Zeit. „Manchmal trifft es auch uns.“ Nach einem der letzten schlimmen Hurricans sind die Leute in der Nähe von Nelsons Dock Yard aus ihren Häusern gekommen, nur um hunderte von Skeletten zu finden. Untersuchungen ergaben, dass es sich um Skelette aus dem 18. Jahrhundert handelte, die vom Hurricane aus ihrem bisher ungekannten Grab geholt wurden. „Der Boden hier hält noch einige Überraschungen bereit“, vermutet Kim.
Die Hauptstadt St. Johns ist deutlich weniger attraktiv als der Rest der Insel. Die Kathedrale ist hübsch, aber viele Gebäude sind zerfallen und insgesamt wirkt die Stadt etwas heruntergekommen.
Trotzdem bin ich traurig, als ich am nächsten Tag die Insel schon wieder verlassen muss. Es geht weiter zur nächsten Insel.
Eure Beatrice!


