Madeira – über den Wolken, mitten im Ozean
Madeira soll ja die schönste Insel der Welt sein. Nachdem ich Madagaskar, Kuba, La Digue und Bali besucht habe, fällt es schwer, das zu glauben. Aber immerhin nachsehen muss ich ja wohl. Das habe ich an einem langen Osterwochenende getan, Anfang April, und ich hatte ein Riesenglück mit dem Wetter. Noch in der Woche vor meiner Ankunft war es stürmisch und kalt. Immer wieder konnten Flugzeuge auf dem kleinen Flughafen nicht landen oder starten. Aber als mein Flieger aus Porto schließlich auf der vor einigen Jahren verlängerten Landebahn aufsetzt, herrscht herrlicher Sonnenschein.


Das Klima und das Wetter auf Madeira sind eine spannende Sache. Wenn man über die Insel fährt, von Osten nach Westen durch einige der über 150 Tunnel oder von der Süd- an die Nordküste, ändern sich die Bedingungen ständig. So erlebe ich in den 5 Tagen fast jede Art von Frühlingswetter. An der Ponta de Sao Lourenco im äußersten Osten von Madeira war es windig und kühl. Hier hat mich die Vegetation ein wenig an die Osterinsel erinnert. Robustes Gras, das dem Wind standhält, dunkle Steine und ein paar wenige Büsche. Sieht es auf den Azoren nicht auch so aus?
Auf dem Pico de Arieiro auf über 1800 Höhenmetern war es fast windstill und sonnig. Dort stand ich über den Wolken und konnte zwar nicht den Blick über die ganze Insel schweifen lassen, aber über eine herrliche geschlossene Wolkendecke, die sich wie ein mystisches dampfendes Gewässer um die Spitzen der Berge gelegt hat. Ein traumhafter Anblick.


Besonders gut gefallen haben mir die Lorbeerwälder im Westen der Insel. Der Wald von Fanal wurde zu einem Opfer seines Erfolges auf TikTok. Tausende Influencer haben vor den schrulligen 200 Jahre alten Bäumen posiert und daher müssen das nun auch alle anderen 13 bis 21-Jährigen tun. Okay, vielleicht nicht alle. Aber viele. Sehr viele. Die Bäume mit ihren knorrigen Ästen und verbogenen Stämmen sind aber auch urig und fotogen! Sie könnten direkt in einem Fantasy-Epos über einen verwunschenen Wald mitspielen. Dazu kommen die Nebelschwaden und Wolken sowie ein paar flauschige Kühe, die zwischen den Bäumen wandern. Wirklich instagrammable!


Überall auf der Insel – außerhalb des geschützten Lorbeerwaldes – wird Landwirtschaft betrieben. Die Menschen bauen selbst dort, wo das Gelände Steigungen von über 30% aufweist, Gemüse an. Es lohnt sich, denn man kann das ganze Jahr über ernten. Tonnen von Bananen werden nach Portugal verschifft. Honig ist ebenfalls ein Exportgut. 40.000 Kilo werden jedes Jahr gewonnen und das liegt daran, dass die Bienen sich auf Madeira pudelwohl fühlen. Sie sind keinen Bedrohungen durch Krankheiten ausgesetzt, wie es die Bienen in Europa sind. Irgendeinen Vorteil muss die isolierte Lage mitten im Atlantik ja haben.


Noch ein Eckchen, das ich besonders hübsch fand: Porto Moniz. Das Dorf liegt am Meer und zeichnet sich durch seine Meerwasserpools aus, die zwischen schroffen schwarzen Lavafelsen liegen. Die Felsen bilden einen tollen Kontrast zum tiefblauen Wasser und der weißen Gischt, die hoch spritzt. Die Brandung ist eindrucksvoll.
Dann ist da natürlich noch die schöne Inselhauptstadt Funchal mit ihren engen Gassen, einer ungewöhnlichen Kathedrale und der modernen Uferpromenade. Hier gibt es hervorragendes thailändisches Essen und hausgemachte Eiscreme. Vielleicht nicht gerade die schönste Insel der Welt, aber definitiv einen Besuch wert. Viel Abwechslung, viel Natur, Sonne und Meer.
Eure Beatrice!







