Geldingadalur – Islands neuer Look

Geldingadalur oder auch Geldingadalir zwischen Langahrygg und Fagradalsfjalli

Die Pandemie hat uns allen zugesetzt. Das ging Island nicht anders. Nicht nur die Menschen dort waren enttäuscht über die schlechte Touristensaison 2020, sondern offenbar auch die Insel selbst. Sie hat nämlich kurzerhand im März 2021 beschlossen, ihrem Südwestzipfel, der Halbinsel Reykjanes, ein neues Gesicht zu verpassen. Zunächst gab es etwa 50.000 Erdbeben innerhalb von drei Wochen. Das allein lässt schon auf eine gewisse Entschlossenheit oder Unruhe schließen.

Nun. Seit dem 19. März 2021 ist die Gegend um Geldingadalur ein riesiger Touristenmagnet. Riesig mit Einschränkungen, denn im März und April war es noch nicht ganz so einfach, nach Island zu reisen. Mittlerweile ist es – zumindest für geimpfte und genesene Besucher – mit geringen Einschränkungen machbar.

Dann kam endlich der Vulkanausbruch, den die Geologen schon vorausgesagt hatten. Am 19. März öffnete sich die Erde auf der Halbinsel Reykjanes und Lava strömte empor. Der erste Schlot lag in einem namenlosen Tal neben einem Hügel namens Fagradalsfjalli in einem Gebiet, das als Geldingadalur oder Geldingadalit bekannt ist. Also bekannt ist übertrieben. Keiner hat sich bisher für dieses Fleckchen interessiert, weil da seit 800 Jahren (damals war der letzte Vulkanausbruch hier in der Nähe) einfach nichts los war. Nur Steine, uralte Lava und ein paar Flechten. Und jetzt plötzlich startet Reykjanes ein grandioses Makeover, vielleicht auch in der Hoffnung, mehr Touristen anzuziehen.

Schon seit Jahren habe ich mir immer wieder vorgenommen, mal spontan zu Ätna zu fliegen, wenn der gerade wieder ausbricht, aber seit Jahren habe ich so gut wie keine spontane Reise gemacht. Ich war ständig über Monate hinaus verplant. Und dann kam alles zusammen: Corona ruiniert großflächig meine Reisepläne, ich habe seit 6 Monaten und 3 Tagen Deutschland nicht mehr verlassen (Luxemburg zählt eigentlich nicht), in Island bricht ein neuer Vulkan aus, ich habe noch knapp 40 Urlaubstage für die verbleibenden 7 Monate dieses Jahres, ich bin geimpft und verzweifelt auf der Suche nach einem Reiseziel. Hurra – Island, ich komme!

Der Vulkanausbruch hatte sich in den letzten Wochen dahingehend entwickelt, dass er nicht mehr kontinuierlich Lava auswarf, sondern nun in periodischen Schüben Lava spuckte. Das hatte ich an der Webcam verfolgt. Täglich. Er wirkte wie ein Geysir. Sieben Minuten Pause, etwa zwei Minuten Ausbruch.

Die Isländer sind erfinderisch und haben innerhalb weniger Wochen zwei Parkplätze südlich des Geldingadalur gebaut, zwei Wanderwege angelegt und markiert, so dass keine Touristen auf dem unbefestigten Gelände verloren gehen, wie es wohl in den ersten paar Wochen ein paarmal vorgekommen war. Durch meine Studien der Webcams wusste ich, dass ich dem Wanderweg A folgen musste, denn der würde mich näher an den derzeit aktiven Krater heranbringen. Und das tat er auch. Unterwegs wurde ich zwar fast weggeweht – ich hatte ja keine Ahnung, was Windböen mit bis zu 87 Stundenkilometern wirklich bedeutet – und ich schwitzte ordentlich in meiner dicken wasserfesten Kleidung. Als ich dann aber am Vulkan stand und über eine Stunde lang nur starrte und den Auslöser meiner Kamera betätigte, war ich unheimlich dankbar für die dicke Kleidung. Es war arschkalt und windig. Regentropfen fühlten sich an wie Nadelstiche im Gesicht. Und trotzdem war es einfach der Hammer! Ein Vulkanausbruch live. Alle sieben Minuten. Und ich musste nicht mal eineinhalb Stunden wandern, um dahin zu gelangen. Da könnte sich der Nyiragongo in Sachen Kundenfreundlichkeit noch eine Scheibe abschneiden. Was will man mehr?

Ich kann euch nur allen raten, unbedingt in den kommenden Wochen nach Island zu fahren. Da entstehen gerade neue Hügel und Täler. Es ist ein Naturschauspiel der ganz besonderen Art am Geldingadalur. Spektakulär. Vielleicht können euch ja meine Bilder überzeugen. Wenn Ihr noch was wissen wollt, fragt mich einfach!

Eure Beatrice!

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