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Amsterdam – Alle sind tolerant, außer die Radfahrer

Amsterdam – etwas kühl aber geruchlich und geschmacklich exotisch

Amsterdam hat mich dieses Mal mit einem wolkenverhangenen Himmel empfangen. Es war für ein Juliwochenende irgendwie zu kalt. Trotzdem war es im Grunde ganz angenehm, durch die Straßen und Gassen zu laufen und den Fahrrädern auszuweichen, die rücksichtslos auf den für Auswärtige nicht immer als solche identifizierbaren Fahrradwegen in teilweise halsbrecherischem Tempo unterwegs sind.

Eindrucksvoll ist nicht nur die Tatsache, dass Amsterdam wirklich eine Fahrradstadt ist und sowohl Autos als auch Fußgänger das Nachsehen haben. Mich hat wieder einmal die schiere Menge an Fahrrädern fasziniert. Am besten kann man sich einen Eindruck davon verschaffen, wenn man zum Hauptbahnhof geht und sich die Fahrradparkplätze dort anschaut. Vor dem Bahnhof steht ein dreigeschossiges Parkhaus, daneben gibt es weitere ebenerdige Stellplätze und im mittlerweile topmodernen und hübschen Bahnhofsgebäude sind noch mehr Stellplätze auf mehreren Ebenen untergebracht. Und die sind alle voll!

Das Thema der Free Walking Tour war dieses Mal die Toleranz der Amsterdamer. Diese begann schon vor Jahrhunderten und setzt sich bis heute fort. Im Mittelalter kamen zum Beispiel jede Woche hunderte von Seeleuten im Hafen an. Diese hatten bei jeder Fahrt über den Ozean eine etwa 50prozentige Chance zu sterben, weshalb sie den Aufenthalt im Hafen unbedingt dazu nutzen wollten, so viel wie möglich zu trinken und die Damen im Rotlichtviertel aufzusuchen. Die Amsterdamer konnten und wollten daran nichts ändern, denn schließlich brachten die Seeleute ihnen den Reichtum. Also wurde das wilde treiben im Hafenviertel toleriert.

Sogar die Priester entdeckten ihre Toleranz im selben Moment wie ihre Geldgier. Also verkauften sie Ablassbriefe an die armen Sünder, bevor diese wieder zur See fuhren. In der Oude Kerk, der alten Kirche, die nur 5 Meter von den Bordellen trennen, gab es sogar eine eigene Tür für Seefahrer, die beichten wollten. Die Oude Kerk ist heute von Freudenhäusern umringt und die Symbiose funktioniert, obwohl die Kirche heute keine Ablassbriefe mehr verkaufen darf.

Die Toleranz der Amsterdamer kommt immer dann zum Vorschein – so erzählt es meine Führerin durch die niederländische Hauptstadt – wenn die Amsterdamer mit etwas konfrontiert sind, dass ihnen ein wenig auf die Nerven geht. Sie entwickeln dann eine Toleranz, die mit einem Plan einhergeht, wie sie aus der Situation einen finanziellen Nutzen ziehen können. Clever. Auf jeden Fall ging es mit den Coffee Shops auch so. Die Legalisierung von Cannabis war ein ziemlich smarter Schachzug im Kampf gegen das Heroin. Und der Kampf konnte gewonnen werden. Zudem bringt das Cannabis jede Menge Steuergelder ein. Offenbar konsumieren etwa 8% der Menschen in Amsterdam regelmäßig Marihuana, was wahrscheinlich auch in den meisten anderen Ländern der Fall ist. Man riecht es eigentlich überall. Das liegt aber meiner Meinung nach auch daran, dass tausende Touristen jedes Wochenende nach Amsterdam kommen, um das zu feiern, was hier legal ist und zu Hause verboten.

Was zu Hause nicht verboten, aber in Amsterdam dennoch leichter zu bekommen ist, sind äthiopische, libanesische, thailändische und indonesische Gerichte. Allein schon deshalb hat mir der kleine Ausflug in die Niederlande außerordentlich gut gefallen.

Bleibt noch das Eye, das Amsterdam Filmmuseum, zu erwähnen. Mit einer kostenlosen Fähre kann man hinterm Bahnhof übersetzen und sich das interessante Bauwerk aus der Nähe ansehen. Die meisten Besucher waren jedoch damit beschäftigt, Fotos und Selfies vom I amsterdam Zeichen zu machen. Buchstaben in Menschengröße sind einfach der Renner in der Generation Smartphone. Die junge Dame, die ein Foto mit meiner Kamera gemacht hat, war ganz überrascht, es nicht mit einem Telefon, sondern mit einer wirklichen Kamera zu tun zu haben.

Wenn Ihr nach Amsterdam fahrt, dann lasst Euer Auto irgendwo weit vor der Stadtgrenze stehen und gebt nur ja Acht auf die Fahrräder!

Eure Beatrice!


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