Delhi – 16 Millionen Inder bei 42 Grad

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Am Flughafen von Delhi empfängt mich ein freundlicher rundlicher Inder, der mich zu einem verbeulten weißen Kastenwagen bringt. Schon auf dem Weg zum Auto schwitze ich, denn es herrschen etwa 40 Grad. Deepak versichert mir, dass die Fahrt zum Hotel nur 20 Minuten dauern wird. Nach 20 Minuten, in denen wir uns durch den teils verwirrenden Verkehr der Hauptstadt schlängeln, wiederholt er sein Versprechen: „Noch 20 Minuten, maximal!“

Endlich kommen wir zum Hotel. Langsam dämmert mir, warum dieses Hotel so unschlagbar günstig war (ich habe nur 17 Euro für 2 Nächte mit Frühstück und Flughafentransfer bezahlt). Es befindet sich in einem der hektischsten und vor allem lauten ärmeren Viertel der Stadt. Hier leben die Menschen auf engstem Raum und der Müll liegt zwanzig Zentimeter hoch auf den Bürgersteigen, die von Kühen, Rikschas und Fußgängern aller Couleur genutzt werden.

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Ich begutachte mein Zimmer und stelle fest, dass es kein Toilettenpapier gibt, keine Handtücher und noch nicht einmal Bettlaken. Der einzige Luxus besteht aus einem winzigen Fernseher und einem Deckenventilator. Ich fürchte mich ein wenig vor der schmuddeligen grünlichen Wolldecke auf dem Bett, aber zunächst will ich mit Deepak die Stadt unsicher machen und mich später um eventuelle Bakterien sorgen.

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Wir besuchen die Jama Masjid Moschee im Zentrum der Altstadt. Old Delhi ist ein lebendiges Geschäftsviertel, in dem es elegante Boutiquen aber auch den urigen Gewürzmarkt gibt, auf dem die Menschen ihre Waren mit Ochsenkarren transportieren und allerhand auf den Straßen gehandelt wird. Mit einer Rikscha unternehmen wir eine Tour durch die Gassen.

Der Lakshmi Tempel ist ein farbenfrohes Gebilde. Ich sehe mir zahlreiche Figuren und Gemälde an, die den unterschiedlichen hinduistischen Göttern gewidmet sind. Danach schauen wir uns den Sikh Tempel an, der in strahlendem Weiß mit goldenen Kuppeln an eine Moschee erinnert. Am Eingang müssen alle Besucher ein Kopftuch anziehen. Es liegen Tücher bereit. Deepak wählt ein rosafarbenes Tuch, während ich mich mit einer etwas gedeckteren Farbe anfreunde. Wir ziehen die Schuhe aus und laufen durch ein Wasserbecken.

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Neben dem Tempel liegt ein riesiger künstlicher Karpfenteich, in dem sich der prachtvolle Bau malerisch spiegelt. Es wird Wasser in Bechern verteilt und jeder Besucher erhält eine Hand voll süßen Getreidebrei. Ich bete zu dem hiesigen Gott, dass mein Magen diesen Brei verträgt. Deepak ist zwar kein Sikh, aber er berührt im Tempel alle Stufen, wie es die Gläubigen machen. Er kniet vor dem Altar und betet, aus Rücksicht und Hochachtung vor dieser Religion, so erklärt er mir. Ich will Fotos machen, aber es gibt Verbotsschilder. Deepak fragt einen der hohen Geistlichen, die vorne am Altar sitzen, ob ich nicht doch ein Bild machen darf. Die eigenartige Antwort lautet: „Ja, aber nur vom Altar“.

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Am nächsten Morgen mache ich mich auf sie Suche nach dem Frühstücksraum. Als ich schließlich im 5. Stockwerk ankomme, stehe ich auf einer Art Dachterrasse, wo die Angestellten eben damit beschäftigt sind, aufzustehen. Sie schlafen offenbar hier draußen, wegen der großen Hitze. Erschrocken wende ich mich von den halbnackten Kellnern und Kofferträgern ab. Einer von ihnen erbarmt sich, mir mitzuteilen, dass das Frühstück aufs Zimmer gebracht wird.

Ich versuche, nicht allzu viel darüber nachzudenken, woher das Frühstück kommen mag, denn es ist verdammt lecker. Ich bekomme ein traditionelles Metalltablett mit mehreren Vertiefungen, worin sich fettige Puri-Fladen, ein Erbsencurry und Joghurt befinden. Dazu gibt es leckeren Milchtee mit viel Zucker.

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Wir besuchen heute einige andere Sehenswürdigkeiten Delhis, von denen ich manche schon kenne. Neu ist das Safdarjung Grab, welches im Stil der Mogul-Herrscher ähnlich dem Taj Mahal erbaut wurde. Auch das Grabv des Humayun ist vergleichbar, nur noch ein wenig gepflegter und schöner. Deepak erzählt, dass Barack Obama vor kurzem hier war, weil er keine Zeit hatte, das Taj Mahal zu besuchen. Es soll ihm aber genauso gut gefallen haben. Seither explodieren die Besucherzahlen. Wieder mache ich die eigenartige Erfahrung, dass mich ständig Menschen, meist Familien, darum bitten, mit mir ein Foto machen zu dürfen. Darin hat sich Indien also in den letzten 5 Jahren nicht verändert. Die Inder finden mich schön oder vielleicht auch nur skurril. Auf jeden Fall wollen sie sich mit mir fotografieren!

Mir fällt auf, dass Deepak immer den linken Außenspiegel eingeklappt hat. „Das ist besser im Verkehr“, sagt er, „wer braucht schon einen zweiten Außenspiegel?“ fragt er und rückt seine kleinen Beschützerfiguren auf dem Armaturenbrett zurecht.

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Zum Mittagessen gibt es Malai Kofta und Reis. Deepak erklärt mir, dass in Indien sowohl die Hindus als auch die Buddhisten in der Regel kein Fleisch essen. „Die strengeren zumindest, die armen auch.“ Die meisten essen aber auf jeden Fall an Dienstagen und Samstagen kein Fleisch, weil das die Tage des Affengottes Hanuman sind. Und dieser Gott mag es garnicht, wenn an seinem Wochentag die Menschen andere Lebewesen verzehren.

Wir besuchen die letzte Ruhestätte von Mahatma Gandhi und die Gedenkstätte für seine Adoptivschwiegertochter Indira Gandhi. Die Qutab Minar ist der letzte Höhepunkt der Delhi-Tour, die leider diesmal nur zwei Tage dauert. Ich staune über den 72 Meter hohen Turm und die eindrucksvolle Anlage voller Ruinen verschiedenster Art, die irgendwie nicht zusammen passen wollen. Wegen der Hitze habe ich wohl an die vier Liter getrunken an diesem sonnigen Tag bei 42 Grad unter 16 Millionen Indern.

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Delhi ist auf jeden Fall eine Reise wert, auch mehrere und ich werde sicher irgendwann wieder kommen. „Am besten im Winter!“ rät mir Deepak. Ob ich wieder im selben Hotel absteige ist fraglich.

Eure Beatrice!

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