Izamal – im Schatten der Pyramide

Izamal, das verschlafene Städtchen mit Superpyramide

Die Stadt Izamal liegt im mexikanischen Dschungel irgendwo im Bundesstaat Yukatan. Von der berühmten Ruinenstadt Chichen Itzá ist Izamal nur etwa eine Stunde entfernt, wenn man die nicht ganz günstigen Mautgebühren der Schnellstraße zahlen will. Alle anderen Straßen in Yukatan sind nämlich sehr großzügig mit Bodenschwellen versehen, die dafür sorgen, dass man in bewohnten Gegenden nur sehr langsam vorankommt.

Bei der Einfahrt nach Izamal dachte ich zunächst, dass es vielleicht doch ein Irrtum war, hierher zu kommen, denn die Stadt war im Grunde nur ein größeres Dorf und der Stadtrand wirkt sehr ländlich und unspektakulär. Nach ein paar Blocks fiel mir jedoch eine ziemlich gigantische Struktur ins Auge, bei der es sich nur um die Maya-Pyramide Kinich Kakmo handeln konnte. Ich war also doch richtig. Dieses Wahnsinns-Bauwerk nimmt in etwa die Fläche von vier der modernen Häuserblocks ein und überragt alles andere in Izamal um einige Stockwerke. Ich steige die ersten Stufen hinauf und kann nur staunen wie viele echt große und schwere Felsbrocken die Maja vor einigen hundert Jahren hierher geschleppt haben. Besonders wenn man schließlich auf der ersten Plattform steht und das ringsum liegende sehr sehr flache Land sieht, fragt man sich zwangsläufig, wo all die Steine herkommen. Auf jeden Fall waren noch genügend Steine übrig um auf der mächtigen Plattform eine weitere Pyramidenstruktur zu erbauen, auf die Touristen ebenfalls hinauf steigen dürfen.

Im kleinen und gemütlichen Zentrum von Izamal gibt es zwei Plätze, die beide typisch für das spanisch koloniale Lateinamerika sind. An einem der Plätze erhebt sich das mächtige Augustinerkloster, welches in gelber Farbe angestrichen ist. Das eindrucksvoll große Gebäude wird nur von der gigantischen Kinich Kakmo Pyramide überragt und ich frage mich, ob die spanischen Missionare wohl einen Versuch gestartet haben, das Mayabauwerk zu entfernen. Eine Pyramide von 200 mal 180 Metern Grundfläche ist aber eben nicht einfach mal so abzubauen.

Heute ist es auf jeden Fall faszinierend zu sehen, dass die Kolonialstadt und auch die moderne Stadt Izamal einfach an derselben Stelle erbaut wurden, wie die damalige spirituelle Hauptstadt der Maya. Izamal ist heute ein entspanntes Fleckchen, wo die Uhren etwas weniger schnell schlagen. Die Bewohner sitzen am Abend auf den Plätzen und genießen Crêpes mit Schokolade. In den kleinen Restaurants kann ich meine Spanischkenntnisse testen, denn hier kann kaum jemand englisch. Im Gegensatz zu Cancun oder Chichen Itzá verirren sich nach Izamal nur verhältnismäßig wenige Touristen. Umso glücklicher bin ich, als sich herausstellt, dass in einem der insgesamt vielleicht drei oder vier Hotels der Stadt tatsächlich noch ein Zimmer frei ist. Zudem ist es auch noch ziemlich günstig und wirklich schön. Im Innenhof des alten Kolonialbaus stehen noch die Reste einer Maya-Struktur.

Wenn Ihr euch also nach Mexiko in den Dschungel wagt, dann besucht das hübsche und entspannte Izamal!

Eure Beatrice!

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