Minsk – ein winziger Hauch von internationalem Flair

Die internationalste Stadt in Weißrussland

Minsk ist mit Abstand die größte und auch die modernste Stadt in Weißrussland. Es ist eine schöne Mischung aus stalinistischen Gebäuden, einigen wenigen Überbleibseln von vor dem Zweiten Weltkrieg und modernen Hochhäusern entstanden. Zudem ist die Stadt unheimlich sauber und wirkt dadurch sehr einladend und vertrauenerweckend.

Natürlich gibt es hier – wie überall in Weißrussland – auch jede Menge Kirchen. Rund um den Freiheitsplatz und das alte Rathaus stehen sogar drei davon. Die schönste ist die Kathedrale der Heiligen Jungfrau von Minsk. Hier wird eine besonders mächtige Marienikone verehrt, die einen weiten Weg allen Gesetzen der Physik zum Trotz den Fluss hinauf geschwommen ist, um hier den Menschen zu helfen.

Der Unabhängigkeitsplatz ist der größte in Minsk und hier steht ebenfalls eine berühmte Kirche aus roten Backsteinen. In unmittelbarer Nachbarschaft erheben sich einige stalinistische Bauten und vor dem nüchternsten Betonklotz erhebt sich eine Lenin-Statue. Ihm begegnet man in Weißrussland noch fast überall. Eine meiner Reisebegleiterinnen sagte, dass Weißrussland heute kommunistischer sei, als es das jemals unter der Macht der Sowjetunion gewesen ist.

Sehr kommunistisch und patriotisch

Eindrucksvoll ist das Museum des Großen vaterländischen Krieges (Museum of the Great Patriotic War), das sehr ausführlich über den Zweiten Weltkrieg informiert und zwar aus der Sicht der Sowjetunion. Sehr vieles in der Ausstellung kenne ich aus dem Geschichtsunterricht und aus den deutschen Museen zum Thema. Es ist jedoch mal interessant, die ganze Story aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Und zudem ist das Gebäude ein ziemlich eindrucksvolles Gebilde. Es ist riesig und sehr patriotisch.

In Minsk habe ich zwar sehr sehr wenige aber immerhin ein paar Ausländer angetroffen, was während der gesamten Reise durch den Rest von Weißrussland nicht vorgekommen ist (einmal abgesehen davon, dass ich ein paar russische Pilger und Jugendgruppen gesehen habe). In Minsk habe ich sogar drei verschiedene Restaurants ausfindig gemacht, die über eine englische Speisekarte und englisch sprechende Kellner verfügten. Das Essen war übrigens vorzüglich und ziemlich preisgünstig.

Schön und gleichzeitig traurig ist die Insel der Tränen, eine kleine natürliche Insel im Swislatsch. (Diesen merkwürdigen Namen trägt der Fluss, der mitten durch Minsk fließt.) Auf dieser Insel steht ein recht modernes Denkmal für die Gefallenen des Krieges, den die Sowjetunion von 1979 bis 1989 in Afghanistan führte und der auch eine ganze Reihe von weißrussischen Soldaten das Leben gekostet hat. Die meisten Menschen hier in Minsk scheinen diesen Krieg als besonders sinnlos und unnötig erachtet zu haben. Das Monument zeigt weinende und trauernde Mütter und Witwen und im Innern sind die Namen der Gefallenen verewigt.

Sollte ich jemals gezwungen sein, in Weißrussland zu leben (was ich nicht hoffe), dann würde ich auf jeden Fall in der Stadt Minsk leben wollen, denn hier gibt es immerhin einen Hauch von internationalem Flair, auch wenn es wirklich nur ein sehr schwacher Hauch ist.

Eure Beatrice!

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