Uruguay – Drei U und drei Millionen Fußballfans

Ich habe mal ein Konzert einer deutschen Punk-Band besucht, die einen Vertretungsschlagzeuger aus Uruguay hatte. Wohl um etwas anzugeben, sagte der Leadsänger, dass Uruguay das einzige Land auf der Welt sei, in dem drei U vorkommen. Ich wollte schon laut in Richtung Bühne schreien, ob er schon mal was von Papua Neuguinea gehört hätte, aber dann fing die Musik an, alle freuten sich und ich wurde nicht als Klugscheißer entlarvt.

Nun habe ich mich nach Uruguay begeben, eigentlich als Nebenprodukt einer Reise zu den Iguazu-Wasserfällen. Es ist gemein, aber Uruguay hätte es wohl alleine nicht geschafft, mich für einen insgesamt 19 stündigen Flug mit zweimal Umsteigen zu begeistern. Ich muss dazu sagen, dass mich der Flug zu keinem Zeitpunkt begeistert hat. Aber was nimmt man nicht alles auf sich als Fernweh-Infizierte.

Montevideo Artiga

In ganz Uruguay leben etwas mehr als drei Millionen Menschen und sie alle sind offenbar besessen von Fußball. Montevideo ist eine Stadt mit etwa 1,5 Millionen Einwohnern. Im Vergleich zu Buenos Aires und Rio, die auch auf meinem Programm stehen, also quasi ein Dorf. Aber für mich ist es dennoch eine riesige Stadt. Ich finde mich im Zentrum schnell zurecht, unter anderem dank Hans, der so perfekt deutsch spricht, dass es schon richtiggehend langweilig ist. Seine Vorfahren sind von Europa nach Uruguay gekommen und haben ihm keine Fehler beigebracht. Ich bin beeindruckt. Er kennt die Stadt wie seine Westentasche und führt mich zum Mausoleum des Nationalhelden Artiga, zum Radisson-Hotel, das der Moon-Sekte gehört und einen tollen Blick auf die Stadt bietet sowie zur Kathedrale.

Plaza independencia Montevideo

Wir machen eine Stadtrundfahrt durch alle möglichen Viertel und sehen abwechselnd den Charme der Kolonialzeit, verfallene Gebäude mit hübschen Graffiti und halbwegs moderne Bauten. Die Menschen in Uruguay behaupten, dass sie als einzige in Südamerika anständigen Käse produzieren können, sie verehren Charly Chaplin (warum, habe ich noch nicht herausgefunden) und sie würden für Fußball sterben. Daher muss ich mir auch alle Stadien der Stadt ansehen. Am größten dieser Fußballstadien, dem Estadio Centenario, sind die Erfolge der Nationalmannschaft bei den olympischen Spielen der letzten 100 Jahre verewigt. Das Gebäude hat ein integriertes Krankenhaus und eine Schule sowie eine eigene Polizeistation.

Nach ein paar Tagen in Montevideo besuche ich schließlich noch Colonia del Sacramento. Dieses Städtchen liegt in einer Region von Uruguay, in der alle Dörfer und Städte „Colonia de Irgendwas“ heißen. Deshalb verstehe ich nicht, warum man Colonia del Sacramento nur kurz Colonia nennt. Wie auch immer, Colonia ist die älteste Stadt in Uruguay. Also zumindest die erste, die von Europäern gegründet wurde. Was vorher war, scheint hier niemanden zu interessieren. Während sich die Länder im Norden von Südamerika regelrecht ein Bein ausreißen, wenn es darum geht, ihre Vorfahren zu erforschen, habe ich in Uruguay so gut wie nichts über eventuelle Ureinwohner gehört. Es gibt nur ein kleines Denkmal in einem der Parks, das eine der letzten Familien zeigt, die ausgerottet wurden. Über die Gauchos wird hingegen viel berichtet, vielleicht einfach, weil man über sie mehr zu berichten weiß, als über die Indianer, die recht schnell verschwanden und ihren Eroberern wahrscheinlich nicht viel über sich mitgeteilt haben.

Colonia Colonia del Sacramento

Colonia del Sacramento ist unter den Schutz der UNESCO gestellt, zumindest die kleine Altstadt, die direkt am Wasser liegt, aber nicht am Meer, sondern am Rio de la Plata. Bei der Definition, wo denn nun dieser Fluss aufhört und wo das Meer anfängt, scheiden sich die Geister der Geografen. Die einen sagen, dass der Rio de la Plata an der breitesten Stelle 220 Meter breit ist, die anderen behaupten, dass das dann schon der Atlantik ist. Mir ist es egal. So hübsch sieht die braune Brühe, die der Paraná und der Uruguay da ins Meer tragen nicht aus.

Also, auch wenn Uruguay meiner Meinung nach nicht das einzige Land mit 3 U ist, hat mich der Besuch in diesem (im Vergleich zu seinen Riesennachbarn) kleinen Land sehr gefreut.

Eure Beatrice!

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