Zion Nationalpark – Kneippkur im Land der Mormonen

Heilige Berge am Jungfrauenfluss: Zion Nationalpark

Der Zion Nationalpark liegt im Staat Utah. Seinen Namen hat er von den Mormonen erhalten, die auch ihre Bank Zion genannt haben. Die Mormonen stehen auf religiöse Namen. Daher heißt der Fluss, der durch den Nationalpark fließt und den eigentlichen Canyon gegraben hat, Virgin River. Die Berge hier haben Namen wie Abraham, Jakob, Isaac und Moroni. Abgesehen davon, dass die Mormonen eigentlich glauben, dass die Erdet etwa 7000 Jahre alt ist (und der Canyon durch Jahrmillionen der Erosion entstanden ist) ist also alles mehr oder weniger kohärent.

Der Zion Nationalpark liegt im Süden von Utah, nicht besonders weit von der Grenze zu Nevada und vom Sündenpfuhl Las Vegas entfernt. Der Park ist gut organisiert. Shuttlebusse bringen die Touristen von einer Station zur nächsten, was dazu führt, dass im eigentlich interessanten Teil des Canyons keine privaten Fahrzeuge herumstehen oder fahren. Man kann hier die Natur in vollen Zügen genießen, muss sie jedoch mit vielen anderen Touristen aus allen möglichen Ländern der Erde teilen.

Der interessanteste und abenteuerlichste Teil des Parkbesuchs ist Busstopp Nummer 9: Tempel of Sinawava. Ich bin dort ausgestiegen und habe mich zunächst auf einem asphaltierten Weg bis zum Virgin River bewegt. Und dort, wo der Canyon flussaufwärts so schmal wird, dass der Fluss ihn fast ganz ausfüllt, beginnt der spannendste der Trails im Zion Nationalpark. Etwa zwei Stunden kämpfe ich mich barfuß durch das eisig kalte Wasser. Anders als in Las Vegas herrschen hier nämlich nur angenehme 22 Grad. Dazu kommt, dass dank der steilen Canyonwände kaum Sonnenlicht auf den Boden des Canyons fällt und es hier noch etwas kühler ist.

Ich bin unheimlich schlecht vorbereitet und beneide ein wenig die Chinesen, die professionelle Wasser-Trekking-Schuhe tragen. Ich ziehe meine Converse aus, nehme sie in die Hand und taste mich dann Schritt für Schritt auf den teils glitschigen Steinen in nahezu allen Größen durch das Wasser, das so trüb von Sediment ist, dass ich nie erkennen kann, wo ich meinen nächsten Schritt hin setze. Die Steine sind zwar nicht spitz, aber dafür umso härter. Das kalte Wasser sorgt jedoch dafür, dass ich die Schmerzen in den Zehen kaum spüre.

Bald wird klar, dass ich es nicht schaffe, bis zum wirklich engen Teil des Canyons zu laufen / rutschen. Aber ich merke deutlich, wie die Wände immer näher kommen und wie es zusehends kühler wird. Die Landschaft ist trotz der hunderten von Touristen wirklich malerisch schön. Ich fühle mich wie bei einer Kneippkur. Immer wenn ich das Wasser verlasse und das Blut gnädig in meine Beine zurück strömt, fühlen sie sich so schön warm an!

Auf dem Rückweg schaue ich mir noch ein paar der Berge an, die in der Abendsonne rot leuchten. Ich treffen ein paar übergewichtige Hörnchen, die unter keinen Umständen von den Touristen gefüttert werden sollen, aber genau darauf warten. Zu meiner großen Überraschung treffe ich in der Abenddämmerung auch noch eine gigantische mindestens 5cm große Ameise. Später finde ich heraus, dass es sich um eine Jerusalemgrille handelt. Ein wirklich hässliches Geschöpf in dieser schönen Naturlandschaft.

Utah hat noch jede Menge andere Nationalparks und Naturschutzgebiete zu bieten. Ich habe noch einiges vor mir!

Eure Beatrice!

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