Zypern – Uralte und brandneue Ruinen

Nikosia

Nikosia

Eher spontan kam die Idee, Zypern zu besuchen und damit den Länderpunkt Nummer 90 einzufahren. Einige Zeit lang habe ich hin und her überlegt, ob ich für einen Besuch auf der Insel Zypern nicht vielleicht sogar noch einen zweiten Länderpunkt bekommen kann, weil der Norden immerhin eine eigene Flagge, eine eindrucksvolle Grenze und einen anderen Charakter hat als der südliche Teil. Da aber nur ein anderes Land auf der Welt Nordzypern anerkennt, werde ich es vorerst nicht zählen.Zunächst muss man sich an den Linksverkehr gewöhnen. An jeder Autobahnausfahrt finden sich erneut Schilder, die darauf hinweisen, dass man links fahren soll – wohl in weiser Voraussicht, denn es sind viele Touristen unterwegs. Man erkennt die Touristen in ihren Mietautos an den roten Nummernschildern, die alle anderen Verkehrsteilnehmer vor den potentiell gefährlichen Touristen warnen sollen.

 

Nikosia

Nikosia

Ich habe trotzdem beide Hälften von Zypern besucht. Zunächst einmal gab es im Süden eine wirklich uralte Siedlung aus der Zeit um 7000 bis 4000 vor Christus zu bestaunen. Von Chirokitia ist zwar nicht mehr sehr viel mehr als eine Menge steinerner Mauerreste übrig, aber dafür, dass diese Behausungen so alt sind, ist das nicht schlecht. Man hat für die Besucher mit nur wenig Vorstellungskraft drei der Hütten wieder aufgebaut. Hier wurde auch das nette kleine Männchen gefunden, welches sich auf den zypriotischen Euromünzen befindet. Die Menschen in Chirokitia haben ihre Toten übrigens im Haus unter dem Boden begraben, was etwas befremdlich wirkt, aber wohl dafür gesorgt hat, dass man 9000 Jahre später noch Reste davon finden konnte.

Weiter geht es entlang der Südküste Zyperns bis ganz in den Westen Zyperns. Hier liegt die Stadt Pafos mit ihrem riesigen archäologischen Park. Ich besuche eindrucksvolle Königsgräber, für die viel Werbung gemacht wird. Am Ende stellt sich heraus, dass hier allerdings nie auch nur ein einziger König beerdigt wurde. Trotzdem ist der Name beibehalten worden, weil er einfach königlicher klingt.

Chirokitia

Chirokitia

Wer in Richtung Norden fährt, der hat vier Möglichkeiten, die gut gesicherter Grenze zu überqueren. Es gibt einen Grenzübergang für Fußgänger mitten in Nikosia und drei Grenzübergänge für Fahrzeuge außerhalb der Stadt. Zunächst wähle ich den Übergang für Fußgänger. Ich muss mich in eine Schlange stellen und meinen Pass zeigen. Hin und wieder scheinen auch Einheimische die Grenze zu übertreten, wobei es wohl doch meist Touristen sind. Die Einheimischen haben sich in den 70er Jahren verteilt. Im Süden von Zypern soll heute nur noch ein Dutzend türkischstämmiger Zyprer leben. Erstaunlich.

Der Norden von Nikosia hat einige hübsche Baudenkmäler, von denen das hübscheste eine alte Karawanserei ist. Es gibt aber auch eine ehemalige Kirche zu bestaunen, die zur Moschee umgebaut wurde, indem man ihr kurzerhand ein Minarett aufgesetzt hat. Innen wurde eine Gebetsnische Richtung Mekka errichtet und fertig war die Moschee im christilichen Basilika-Stil. Zudem werden hier sehr günstige gefälschte Markenkleider und wohlriechende Gewürze angeboten, ganz wie in der Türkei. Als ich zurück in den südlichen Teil von Nikosia komme, fallen mir die Gebäude auf, die das Pech hatten, sich genau auf der Grenze zu befinden. Sie stehen leer, zerfallen langsam und sind mit dickem Stacheldraht versehen. Nicht besonders malerisch, aber auf jeden Fall einmalig auf der Welt: eine geteilte Hauptstadt gibt es seit 1989 sonst nicht mehr.

Kyrenia

Kyrenia

Ich nutze aber auch den Fahrzeuggrenzübergang einige Kilometer westlich der geteilten Hauptstadt. Auch hier muss ich den Pass zeigen. Ich brauche für das Auto eine Zusatzversicherung, die auch den Nordteil der Insel abdeckt. Direkt hinter der Grenze empfangen die türkischstämmigen Zyprer die Besucher mit gigantsichen nordzypriotischen und türksichen Fahnen. Die Liebe ihrer türksichen Kollegen zu prächtigen Flaggen scheinen sie zu teilen.

Ganz im Norden liegt die malerische kleine Hafenstadt Kyrenia oder Girne, je nachdem, wen man auf der Insel nach dem Namen fragt. In Kyrenia oder Girne gibt es tolle Fischlokale und freundliche Straßenköter. Wer auf dem Rückweg die Burg St Hilarion besuchen will, der muss vor 17 Uhr dort eintreffen. Dummerweise wusste ich das nicht und so werde ich von einem unfreundlichen Soldat in gräßlich schlechtem Englisch wieder fortgeschickt. Die Burg ist ab 17 Uhr militärisches Sperrgebiet. So ein Unsinn!

Pafos

Pafos

Ein sehr lohnenswerter Ausflug führt in den Osten der Insel, wieder über die Grenze. Vorher durchquert man auf dem Weg zu diesem östlichen Grenzübergang ein halbes Dutzend britischer militärischer Sperrgebiete, die ebenso wenig einladend wirken wie die restlichen Grenzgebiete. Irgendwie haben wohl die Briten nach ihrem Abzug aus der ehemaligen Kolonie kleine Teile von Zypern doch irgendwie behalten. Strategisch ist die Insel seit Jahrtausenden für alle von Bedeutung. Mir wurde jedoch gesagt, dass die Briten heute Miete zahlen.

Erneut muss ich meinen Pass und meine Fahrzeugpapiere zeigen und werde durchgelassen. Es scheint sich nur um Formalitäten zu handeln. Die Kontainer der Grenzbeamten wirken sehr provisorisch, aber sie sind nun schon eine ganze Weile da. Wenige Kilometer hinter dieser Grenze liegt an der Ostküste der Ort Famagusta. Er ist fast ausgestorben seit Zypern geteilt ist. Nur wenige Gebäude sind bewohnt und genutzt. Eine ganze Reihe von eindrucksvollen Kirchen und Moschee zerfällt zusehends. Es riecht an einigen Stellen auffällig nach Fledermauskot aber es ist kein Problem einen Parkplatz zu finden (um der Sache auch etwas positives abzugewinnen). Die Stadtmauer ist eindrucksvoll und die ebenfalls zur Moschee umgebauten Kathedrale ist wirklich sehenswert.

Pafos

Pafos

Die eigentliche skurrile Sehenswürdigkeit von Famagusta ist für mich die Sperrzone Varosha. Varosha war ein Stadtteil, der einst eine florierende Touristenhochburg war. Hier stehen Dutzende Hotels an einem besonders hübschen Strandabschnitt, nur dass seit 1974 fluchtartig alle diesen Abschnitt verlassen mussten und dass die Gebäude seither zerfallen. So stelle ich mir die Welt nach einer Atomkatastrophe vor. Man darf zwar keine Fotos machen, aber es kontrolliert auch niemand. Leider werden keine

Salamis

Salamis

Varosha

Varosha

Besichtigungstouren in die Geisterstadt angeboten. Das wäre echt ein Highlight für das ich einiges an Geld hingeblättert hätte. Die Natur erobert sich die Hochhäuser langsam zurück und hie und da sieht man einen abgestürzten Lift oder einen nackten Kran, der arbeitslos in der Gegend herum steht. Vor der abstrusen Ruinenkulisse sonnen sich Menschen am Meer.

 

Die letzte Ruine, die ich sehen will liegt in Salamis, einer Stadt, die es nicht mehr gibt und die nichts mit Hartwurst zu tun hat. Salamis ist die Ruinenstadt außerhalb von Famagusta und hier gibt es wirklich wunderware römische Amphitheater, Paläste, Mosaike, frühchristliche Basiliken und Säulengänge zu bestaunen. Der Monat Juni eignet sich bestens für eine Reise nach Zypern, weil dann die Wassermelonen reif und nicht teuer sind. Überall am Straßenrand verkaufen Menschen ihre Ernte aus dem Kofferraum oder auf kleinen Wägelchen. Richtig lecker sind auch Salate mit Johannesbrotsauce oder Tortellini à la Haloumi mit Käse (sehr sättigend).

Salamis

Salamis

Etwas gewöhnungsbedürftig sind die eingelegten grünen Walnüsse, die stark nach Nelken schmecken und bei denen man die Schale isst, nicht aber das Innere der Nuss. Beim Verspeisen von Olivenbrot muss man etwas aufpassen, weil die Zyprer die Oliven mit Kernen in das Brot einbacken.

Nummer 90 war also ein voller Erfolg!

Eure Beatrice!

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