St. Kitts und Nevis – Hauptstadt mit Huhn und Graffiti
Auf meiner Karibikreise kam ich auch auf der Insel St. Kitts vorbei, die zu dem kleinen Staat St. Kitts und Nevis gehört. Viele Dinge hat St. Kitts mit anderen westindischen Inseln gemeinsam. Mit St. Lucia und Grenada zum Beispiel die Währung, aber auch die Sprache und die Tatsache, dass alle ehemalige britische Kolonien sind.


St. Kitts war die erste Insel, die „entdeckt“ und besetzt wurde und zwar 1624 von den Briten sowie ein Jahr später auch noch von den Franzosen. Diese beiden Besatzungsmächte haben sich die Insel aufgeteilt. Das Fort Brimstone Hill ist daher eines der ältesten Forts in der Region und steht seit Ende des letzten Jahrhunderts auf der Liste des UNESCO-Welterbes.
Die Festung ist tatsächlich erstaunlich gut in Schuss, verfügt über ein kleines Museum und bietet einen grandiosen Ausblick auf die Umgebung. Im Hintergrund erheben sich ein paar Berge und unten erstreckt sich das karibische Meer. Zwei Schulklassen mit fünf- oder sechsjährigen Kids sind unterwegs um etwas über die Festung zu lernen. Eines der Kinder spricht mich an, aber obwohl mein Englisch eigentlich echt gut ist, verstehe ich nicht, was sie von mir will. Schließlich steigen die Kids in einen Bus ein, auf dem vorne Chucky die Mörderpuppe aufgemalt ist, und fahren zurück in ihre Schule.


Ich steige zu meinem Fahrer ins Auto und wir fahren auf der Küstenstraße, die er als die New Old Road bezeichnet. Sie befindet sich direkt neben der Old Road und führt sogar durch eine Siedlung, die sich Old Road nennt. Es ist die älteste Ortschaft auf der Insel. Nicht weit davon kommen wir zu einem historischen Platz, der als Blood Point bekannt ist. Hier soll drei Tage lang Blut vom Berg hinunter ins Meer geflossen sein, nachdem die Franzosen auf dem Berg ein beispielloses Massaker an den Ureinwohnern der Insel verübt haben.
Auf zu positiveren Attraktionen: Wir schauen uns Romney Mannor an. Das ist eine alte Plantage, auf der Zuckerrohr angebaut wurde und es ist die einzige auf der Insel, deren Glockenturm nicht nach der Befreiung der Sklaven niedergerissen wurde. Das lag daran, dass der Plantagenbesitzer der einzige auf der Insel war, der kein Unmensch war und der seine Sklaven gut behandelte. Nach ihrer Befreiung hat er ihnen sogar Land geschenkt. Ich weiß nicht, ob man unbedingt eine Auszeichnung dafür erhalten sollte, dass man seine Sklaven gut behandelt, aber im Kontext der damaligen Zeit war es wohl schon erwähnenswert, wenn jemand kein Sadist war.


Weiter südlich gibt es auf St. Kitts noch einen besonders bekannten Aussichtspunkt am Fregat-Point. Hier steht hoch über dem Meer der Schriftzug St. Kitts und man kann von hier aus auf den Atlantik und die Karibische See blicken. Der Anblick kommt mir bekannt vor, denn ich habe ihn auf den Katalogen und Werbeplakaten für die Inselrundfahrten überall gesehen.


Nicht zuletzt ist auch die kleine Inselhauptstadt Basseterre sehenswert. Hier stehen ein paar hübsche alte Steinkirchen, mehrere schmucke Holzhäuser mit reich verzierten Balkonen und ein kleiner Grüner Uhrenturm auf einem winzigen Verkehrskreisel. Ich finde ein paar schöne Graffiti und wundere mich darüber, wie viele Hähne und Hühner im Straßenverkehr unterwegs sind. Am Abend, wenn die Kreuzfahrtschiffe abgelegt haben, ist die Stadt nur noch ein verschlafenes Nest mit zwei Bars, in denen Musik spielt.
Die Nachbarinsel Nevis habe ich nicht besucht, aber ich habe mir sagen lassen, dass sie kleiner, ruhiger und mindestens genauso schön ist.
Eure Beatrice!


