Ummanaq – Beim herzförmigen Berg
Aufgrund einer Fahrplanänderung ist Ummanaq auf meiner Reise an der grönländischen Westküste der nördlichste Punkt. Einerseits ist das schade, andererseits versöhnt mich Ummanaq mit dieser Tatsache, indem es mich mit strahlendem Sonnenschein empfängt. Bei 8 Grad laufen die Einheimischen mit sommerlichen Sweatshirts oder dünnen Jacken herum. Ich trage meinen Wintermantel, kann aber auf die warme Mütze verzichten.


Ummanaq liegt, wie fast alle grönländischen Städte zwischen Inlandeis und Meer. Eine Straße, die in eine andere Stadt führt, gibt es auch hier nicht. In den Wintermonaten kommen die Versorgungsschiffe für eine ganze Weile lang nicht in den Hafen hinein, weil der ganze Fjord zugefroren ist. Ich habe mir sagen lassen, dass dann auf dem Eis vor Ummanaq die Weltmeisterschaft im Eisgolf stattfindet. Das muss ich glauben, denn ich werde mich nicht selbst davon überzeugen. Der Winter in Grönland übt überhaupt keine Anziehungskraft auf mich aus.
Der Sommer hingegen schon. Vor allem an solch einem sonnigen Tag.
Der Name Ummanaq bedeutet Robbenherz und dieser Name kommt daher, dass sich hinter der Stadt ein markanter Felsen erhebt, der die Form eines Herzen hat, wenn man von der richtigen Stelle aus darauf blickt. Von fast überall in der Stadt kann man den Felsen sehen.


In Ummanaq gibt es ein Krankenhaus, eine Schule, einen Supermarkt, viele bunte Häuser und eine Kirche. Diese ist etwas besonderes, denn sie ist aus Stein gebaut. Eine weitere Besonderheit sind die vielen Lagerhäuser, die alle Bewohner über den Winter bringen. Und dann gibt es noch den Briefkasten des Weihnachtsmannes, der schon ein paarmal umgezogen ist.
Das schönste an Ummanaq ist in meinen Augen diese besondere Mischung aus Meer mit Eisbergen, Felsen im Hintergrund und den bunten Häusern, die aus dem Ort ein Fotomotiv sondergleichen macht. Wenn man lange genug aufs Meer schaut, bricht irgendwann ein Stück von einem Eisberg ab. Dann knackt es vernehmlich und der entsprechende Eisbrocken dreht sich, bis er sich wieder einbalanciert und in seiner neuen Position schwimmt als sei nichts gewesen.


Kleinere Eisberge sind bis ins Hafenbecken getrieben worden. Hier sieht man dann die Struktur des Eises, das in der Regel 100.000 bis 200.000 Jahre alt ist, wenn es vor Ummanaq schwimmt. Faszinierend.
Da Ummanaq so weit nördlich liegt, gibt es kaum Vegetation. Auf den Felsen wachsen im nur ein paar schüchterne Gräser und viele Margariten. Hier ist Grönland überhaupt nicht grün.
Eure Beatrice!


