St. Lucia – Pitons im Paradies
Auf der kleinen Karibikinsel St. Lucia will ich mir unbedingt die berühmten Pitons anschauen. Dazu habe ich eine Inselrundfahrt gebucht und werde von Quentin in einem Minibus herumgefahren. Das allein ist schon ein Abenteuer. Nicht unbedingt wegen Quentins Fahrkünsten, sondern weil die Straßen auf St. Lucia teilweise sehr steil sind und fast ausschließlich aus Kurven bestehen.


Die Leute hier sprechen Creol, Englisch und Französisch. „Das liegt daran, dass die Insel im 17. Jahrhundert vierzehnmal zwischen England und Frankreich gewechselt hat.“ Sie ist also immer wieder erobert und zurückerobert worden. „Irgendwann konnten dann alle beide Sprachen, weil es einfach zu umständlich war, immer zu wechseln.“
Um von der Hauptstadt Castries aus muss man einige Hügel erklimmen und sich durch malerische Fischerdörfer an der Westküste schlängeln, um dorthin zu gelangen, wo die Pitons stehen. Dabei kommen wir durch Anse La Raye, wo es jeden letzten Freitag im Monat ein gigantisches Fischfest gibt. Und wir kommen durch Massacre Ridge, eine kleine Ortschaft mir einem verstörenden Namen. „Das liegt nur einfach daran, dass es früher hier auf St. Lucia zwei Stämme gab: Die Kariben und die Arawak. Letztere waren ein friedliebendes Volk, das in den Bergen lebte. Die Kariben kamen und wollten keinen Frieden, also haben sie kurzerhand alle Arawak abgeschlachtet. Kinder, Greise. Alle. Daher der Name dieser Ortschaft.“ Das ist furchtbar, aber immerhin gab es nach dem Massaker keinen Streit mehr.


St. Lucia exportiert Bananen. Auf unserer Fahrt nach Süden sehen wir viele Bananenplantagen. „Sie werden hauptsächlich nach Großbritannien verschickt, oder auch in die USA. Aber wir machen auch sehr viele Dinge aus Bananen.“ Quentin zählt auf: Bananenlikör, Bananenkuchen, Bananenrum, Bananenbrot, Bananenpudding und Bananenketchup. Wirklich? Bananenketchup? Das muss ich probieren. Und tatsächlich. Es schmeckt gut. Nach Bananen. Und nach Ketchup.


Endlich erreichen wir die Pitons. Es sind zwei zuckerhutförmige Hügel, um die 1000 Meter hoch, direkt an der Küste, die eine besondere Kulisse abgeben. Der dicke Urwald rundherum ist sehr grün und steht unter Naturschutz. Trotzdem können Touristen an den Stränden flanieren, Rum Punch trinken oder in der Sonne braten.
Am Hummingbird Beach machen wir Rast, auch wenn man von hier aus nur einen der beiden Pitons sehen kann. Es ist wirklich hübsch. Ein schöner Strand mit bunten kleinen Bars aus Holz. Fischerboote, ein Steg, Palmen und türkisfarbenes Wasser. So stellt man sich das Paradies vor.
Eure Beatrice!


