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Edinburgh – Im Land des anderen englisch

Edinburgh – Bei Mary, Harry, Mary und Maggie

Keine Ahnung, wieso ich es bisher nie nach Schottland geschafft habe. Eine Schande eigentlich, denn schon als Kind habe ich mit Begeisterung Geschichten über Nessie, das Seeungeheuer gelesen. Dann kam natürlich Harry Potter, eine Geschichte, die ich sehr liebe, und irgendwie sind ja auch ‚Die Herrin von Avalon‘, ‚Braveheart‘ und ‚Highlander‘ spannend. Aber was darf man von einem Land erwarten, dessen Nationaltier ein Einhorn ist? Richtig. Viele Geschichten.

Edinburgh ist eine faszinierende Stadt. 4500 Gebäude stehen unter Denkmalschutz und unter dem Schutz der UNESCO. Das muss eine Stadt erst mal nachmachen. Die Geschichte von Edinburgh ist bewegt und blutig. Die Römer kamen hierher und dann die Wikinger. Dann gab es dutzende Kriege und Auseinandersetzungen zwischen England und Schottland.

Mary Stuart, die Königin von Schottland spielt eine wichtige Rolle. Bei ihrer Krönungsfeier soll sie die ganze Zeit geweint haben. Diese Anekdote wird weniger seltsam, wenn man weiß, dass sie zu dem Zeitpunkt neun Monate alt war.

John Knox ist eine bekannte Figur der Reformationsgeschichte, die mit Edinburgh verflochten ist. Er kommt allerdings nur wenig sympathisch rüber, denn er hatte einen dermaßen starken Hass auf die Katholiken, dass er sich viele Feinde machte. Zudem schrieb er ein Pamphlet, das den Titel „the first blast of the trumpet against the monstous regimen of women“ trug. Das einzige, was er mehr hasste, als Katholiken waren demnach Frauen. Zumindest machtvolle und starke Frauen. Lustigerweise befindet sich sein Grab heute auf einem Parkplatz vor dem Justizpalast und ich habe mir sagen lassen, dass eine der Richterinnen dort mit Vorliebe ihren Wagen auf dem Grab abstellt.

Interessant sind die Geschichten über die Pestepidemien, die Edinburgh, wie auch andere Städte in Europa, heimgesucht haben. Das war um 1645. Das heißt, es gab mehrere Pestepidemien, aber diese war besonders schlimm. Ein einziger Pestarzt kümmerte sich um die Kranken. Dummerweise starb Doktor Paulitious – wie sollte es anders sein – an der Pest. Die Stadt suchte einen Nachfolger und fand ihn in George Rae. Dieser arbeitete mit allen Tricks. Er hatte zum Beispiel ein ziemlich eindrucksvolles Kostüm aus Leder mit einer Maske, die einem Rabenschnabel glich. Diese war nicht nur gruselig anzusehen, sondern auch mit wohlriechenden Kräutern gefüllt. Er glaubte daran, dass es ihm dadurch unmöglich war, die sogenannten Miasmen einzuatmen, die man damals für die Pest verantwortlich machte. Interessanterweise schützte ihn seine Ganzkörper-Lederrüstung tatsächlich. Zwar nicht vor den Miasmen, sondern vor den Flohstichen, die tatsächlich die Pest übertrugen. Als die Epidemie vorüber war, lebte er daher noch. Zu dumm für die Stadtverwaltung, die nämlich das Geld, das sie ihm versprochen hatte, schon anderweitig ausgegeben hatte. Es war schließlich nicht absehbar, dass er überlebte. Er ging vor Gericht und gewann. Man musste ihn bezahlen. Die Stadtverwaltung konnte jedoch das Geld in Raten abstottern. Praktischer weise starb George Rae drei Wochen nach diesem Urteil an Tuberkulose.

Diese und andere Geschichten erfährt man bei einer Tour durch die Mary King Close, eine dieser Gassen (benannt nach Mary King, ihrer bekanntesten Bewohnerin), die Edinburgh zu etwas Besonderem machen. Viel ist hier noch original erhalten. Edinburgh war damals ein Quell der Bakterien und Viren. Alles war voller Exkremente und Dreck. Teilweise lebten 700 Menschen in zwölfstöckigen Häusern an einer einen Meter breiten Gasse von 50 Metern Länge. Es war voll hier. Daher baute man Mitte des 18. Jahrhunderts die Neustadt.

Für Harry Potter Fans ist Edinburgh ein Quell der Freude, denn an allen Ecken und Enden kann man sich vorstellen, das die Autorin des Werkes sich hier ihre Inspirationen geholt hat. Auf dem Blackfriars Friedhof oder in der Viktoriastraße hätte man die beliebten Szenen drehen können.

Eine spannende Geschichte erzählt man sich über Maggie Dickson. Sie lebte 1701 in Edinburgh, war verheiratet mit einem Fischer, wurde zur Witwe und fing dann eine Affäre mit dem Sohn ihres Vermieters an. Keine gute Idee für eine Frau zu der Zeit. Sie wurde schwanger und bekam ein Kind. Wahrscheinlich war es eine Totgeburt. Auf jeden Fall entsorgte sie den Leichnam des Kindes im Fluss, wurde dabei aber erwischt. Sie war eine der letzten Personen, die auf dem Grassmarket hingerichtet wurde. Die Totengräber nahmen ihre Leiche vom Galgen ab und transportierten sie hinaus aus der Stadt in Richtung Friedhof. Sie müssen ganz schon Augen gemacht haben, als es plötzlich im Karren rumorte und klopfte. Maggie war noch am Leben. Sie lebte tatsächlich 40 weitere Jahre, denn das Urteil war ja vollstreckt und sie ließ sich nichts weiter zu Schulden kommen. Nach ihr ist heute ein Pub am Grassmarket benannt.

Wenn ihr schon mal in Edinburgh seid, dann schaut euch unbedingt auch die Burg und die dort aufbewahrten Kronjuwelen an. Sie sind zwar weniger eindrucksvoll als die im Tower of Londen, aber sie sind älter, worauf man in Schottland sehr stolz ist. Ihr könnt dort auch die ehemaligen Quartiere der Kriegsgefangenen besichtigen. Darin hängen interessanterweise Hängematten. Man hat die Kriegsgefangenen gut behandelt, denn man wollte sie nach dem Krieg eintauschen gegen die ‚eigenen‘ Soldaten. Daher erhielten sie Fleisch, Brot und Käse und sogar jeden Tag drei Bier. Außer die Amerikaner. Die bekamen nur zwei Bier.

Ich könnte noch eine ganze Weile weitererzählen, aber das reicht erst mal an spannenden Geschichten aus der schottischen Hauptstadt. Ein tolles Reiseziel!

Eure Beatrice!

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