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La Curieuse – Die Neugierige, die Seltsame

By 23. Dezember 2020Januar 4th, 2021Vielleicht bald noch mehr Geschichten

La Curieuse – immerhin die Schildkröten sind hier recht neugierig

Curieuse ist französisch und kann neugierig oder auch seltsam, ungewöhnlich, bizarr bedeuten. Ein ziemlich guter Name für eine kleine paradiesische Insel mitten im indischen Ozean, auf der so ungewöhnliche und neugierige Kreaturen wie die Aldabra Riesenschildkröten leben!

La Curieuse ist eine der Inseln, die zu den Seychellen gehört. Die kleine Granitinsel ist etwa dreieinhalb Kilometer lang und eineinhalb Kilometer breit. Um zu diesem idyllischen und fast verlassenen Stückchen Land zu gelangen, das immerhin die fünftgrößte der inneren Seychellen, nimmt man am besten ein Charterboot von Praslin aus. Die beiden Inseln liegen nur etwa einen Kilometer voneinander entfernt. Sehr sportliche Besucher könnten also vielleicht sogar dahin schwimmen.

Wenn man mit dem Boot an einem der Strände von La Curieuse ankommt, hat man sofort den Eindruck, sich im Paradies zu befinden. Im verwunschenen Corona-Jahr 2020 war der Eindruck wahrscheinlich noch deutlich stärker als in jedem anderen Jahr, denn ich hatte die Insel fast für mich alleine.

Fast, denn auf La Curieuse hat jede Menge ständige Bewohner. Nur sieben von ihnen sind Menschen. Aber es gibt mehr als 300 Riesenschildkröten, die sich hier in diesem kleinen Paradies pudelwohl fühlen. Sie lassen sich am Strand die Sonne auf den Panzer scheinen oder spazieren ein wenig durch den Wald auf der Suche nach etwas Essbarem. An der Forschungsstation ist immer mal wieder ein Tourist unterwegs, der ihnen eine anständige Nackenmassage verpasst. Was will man mehr?

Und diese Riesenschildkröten sind phantastische Wesen. Sie sind schlau und haben ein verdammt gutes Gedächtnis. Einer der Ranger erzählt mir, dass sie locker 100 Jahre alt werden. Die älteste bekannte Aldabra Riesenschildkröte wurde 256 Jahre alt. Höchstwahrscheinlich, ungefähr. Esmeralda könnte im Moment das älteste lebende Reptil der Welt sein. Sie war sogar schon im Fernsehen und hält mit etwa 300 Kilo auch einen der Gewichte für die schwerste Schildkröte ihrer Art. Nicht ganz nachprüfbaren Quellen zufolge könnte sie um 1780 geboren worden sein. Esmeralda lebt aber auch Bird Island und nicht auf La Curieuse, weshalb ich mich mit den Jungspunden von 120 bis 170 Jahren hier begnügen muss.

Die Tiere sind zutraulich und scheinen sich über die Abwechslung zu freuen. Endlich mal wieder ein Tourist, der einem den Nacken krault. Was war nur los dieses Jahr. Kaum Besucher unterwegs?

In der Aufzuchtstation auf La Curieuse macht man sich stets die Mühe, alle gelegten Eier auszugraben, um zu verhindern, dass die frisch geschlüpften Winzlinge von Vögeln verspeist werden. Die winzigen Schildkrötenbabys sind nur ein paar Zentimeter lang.

Der Ranger macht mich auf einen Spazierweg aufmerksam, der zum anderen Ende der Insel führt. Allerdings kommt man im Moment nicht bis zum Strand, weil der Weg ausgebessert wird. Diese Pandemie ist einfach der beste Zeitpunkt, um ein paar Baumaßnahmen voranzutreiben. Ich gehe also nur ein paar hundert Meter in Richtung Inselinneres und drehe dann wieder um. Die Schildkröten finde ich spannender.

Die Schildkröten auf La Curieuse stellen mein erstes und wahrscheinlich mein absolutes Highlight der Rundreise auf den Seychellen dar. Diese Tiere sind einfach der Knaller.

Eure Beatrice!

Wenn Ihr jetzt etwas Fernweh oder Sehnsucht bekommen habt, aber nicht auf das neue Buch warten wollt, schaut euch doch mein letztes Werk „Sehnsucht nach Überall“ an. Darin findet Ihr viele schöne Geschichten, unter anderem aus Indien, Turkmenistan, Dschibuti, Aserbaidschan, Panama und Äthiopien.

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