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Anjar – Eine ganze Stadt für mich alleine

Anjar – Von den Umayyaden zu den Armeniern

Anjar liegt an der Autobahn, die Beirut mit dem etwa zwei Stunden entfernten Damaskus verbindet. Hinter Beirut steigt das Gelände schnell an. Das ist das Libanon-Gebirge. Hinter dem Libanon-Gebirge beginnt die Bekaa-Ebene und kurz bevor sich das Gelände erneut hebt, um die Anti-Libanon-Berge zu bilden, liegt Anjar. Hinter dem Anti-Libanon-Gebirge fängt Syrien an.

Die Stadt Anjar ist mehrheitlich von Armeniern bewohnt. Es sind allerdings Armenier, die Armenien irgendwann vor etwa 100 Jahren den Rücken gekehrt haben, wahrscheinlich kurz nach dem Genozid an den Armeniern. Heute sind sie alle Libanesen, aber irgendwie trotzdem Armenier. In einem Vielvölkerstaat wie dem Libanon ist es nicht leicht, mit den vielen Identitäten mitzuhalten. Auf jeden Fall macht das einen Teil des Reizes dieses Landes aus.

Was den Reiz von Anjar ausmacht ist die Tatsache, dass die Umayyaden hier eine Siedlung hatten. Das war so etwa im 7. und 8. Jahrhundert. Die antike Stadt Anjar war nach römischem Beispiel geplant und gebaut mit einer quadratischen Stadtmauer, zwei kreuzförmigen Hauptstraßen mit ganzen 600 Läden und einem schönen Palast. Sie war eine Handelsstadt und eine Sommerresidenz für die Umayyaden, denen es im Sommer in Damaskus zu warm wurde.

Wieder habe ich dank Corona und Wirtschaftskrise und dem europäischen Irrglauben, dass der Libanon gefährlich ist, die gesamte Anlage für mich alleine. Der freundliche ältere Herr, der die Tickets verkauft, ist ganz überrascht, als ich tatsächlich eines kaufe. Es ist einfach nur unglaublich, dass ich diese riesige und ziemlich gut restaurierte Ausgrabungsstätte von Weltniveau ganz alleine bewundern darf.

Die Eidechsen sind etwas schreckhaft, denn auch sie hatten nicht mit Besuchern gerechnet. Es ist sogar eine Schildkröte unterwegs. Schaut euch die Fotos an, auf denen die herrlichen Kolonnaden, die Mauern mit den typisch umayyadischen Streifen und die schönen Fenster und Bögen zu sehen sind – und das vollkommen ohne andere Touristen, die ins Bild rennen.

Ein Traum.

Eure Beatrice!

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