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Harissa – Eine Statue gegen den Bürgerkrieg

Harissa – Ein wenig Heiligkeit mit einer Seilbahn in die Hölle

Um nach Harissa zu gelangen, fährt man am besten erst einmal nach Jounieh. Das ist der arabische Ballermann des Libanon. Mein Reisebegleiter erklärt mir, dass es in Jounieh sehr viele Bars, sehr viele Nachtclubs, ein grandioses und ziemlich elegantes Casino, Restaurants und auch einige sehr spezielle Etablissements gibt. „Da arbeiten viele Russinnen und Ukrainerinnen. Sie sind sehr aktiv.“ Offenbar kommen viele Touristen aus Saudi Arabien, Kuwait, den Emiraten und anderen Ländern mit relativ strengen Verhaltensregeln unheimlich gerne in den Libanon, um hier dem Alkohol, dem Glücksspiel, den Frauen und anderen Vergnügungen zuzusprechen. Frauen aus diesen Ländern kommen sogar hierher, um ohne Schleier herumzulaufen. Stellt euch das mal vor! Offiziell kommen sie alle wegen des angenehmen Klimas.

Oberhalb dieses Sündenpfuhls namens Jounieh befindet sich das Dorf Harissa. Hier stehen eine besonders heilige und auch architektonisch ziemlich eindrucksvolle Kirche und eine Marienstatue. Die Marienstatue ist strahlend weiß mit goldenem Krönchen und steht hier schon seit 1908. Sie ist ganze 9 Meter hoch. Das eigentlich spannende an ihr ist jedoch, dass sie sich während des Bürgerkriegs in Richtung Beirut gedreht hat und die Arme versöhnlich ausgestreckt hat. Der Bürgerkrieg hatte sie wohl stark berührt. Verständlich.

Beliebt ist Harissa einerseits natürlich als Pilgerort, weil viele Christen unterschiedlicher Ausrichtung die 15 Tonnen schwere Maria besuchen wollen. Dazu kommt das angenehme Klima in Hariss. Hier oben ist es tatsächlich etwas kühler als direkt am Meer, wo es im Sommer schwül heiß wird. Und dann gibt es noch die Seilbahn, die zwischen Jounieh und Harissa verkehrt. Die Fahrt dauert etwa 10 Minuten. In kleinen Gondeln könnt Ihr für umgerechnet etwa einen Dollar von Jouniehs Partymeile zum heiligen Pilgerort gelangen. Oder umgekehrt. Je nachdem, ob Euch gerade nach Sünde oder nach Beichte der Sinn steht.

Ich habe von den aktiven Russinnen und dem in Strömen fließenden Alkohol nichts mitbekommen, weil ich erstens um 11 Uhr am Vormittag in Jounieh war und zweitens die Corona-Pandemie Jounieh übelst mitgespielt hat. In Harissa konnte ich einen Gottesdienst auf arabisch miterleben und ein paar Selfie-Pilger bei der Marien-Statue beobachten. Die Seilbahnfahrt habe ich genossen, obwohl mich der Gedanke an die ständigen Stromausfälle schon ein kleines bisschen beschäftigt hat. Schöner Ausblick auf die Küste! Sowohl von oben als auch von der Seilbahn aus. Und das Klima ist wirklich sehr angenehm.

Eure Beatrice!

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