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Beirut – Wie Phönix aus der Asche

Beirut – So reich, so arm, so alt, so modern und ein wenig kaputt

Der Bürgerkrieg, der den Libanon von 1975 bis 1990 erschütterte hat bleibenden Schaden in der Psyche von Beiruts Bewohnern hinterlassen, aber auch in Beiruts einst so strahlender Architektur. Noch heute sind mitten im Zentrum Gebäude zu finden, die man nur als Ruine bezeichnen kann. Sie sind mehr schlecht als recht abgesperrt und dienen als Mahnmal oder als Graffiti-Leinwand.

Der Libanon war fast schon wieder zu seinem alten Charme zurückgekehrt, als sich herausstellte, dass die Machthaber Millionen an Steuern in ihre eigenen Taschen gewirtschaftet hatten, statt sie für das Wohl des Volkes und des Landes auszugeben. Das machte die Libanesen ziemlich wütend. Zurecht. Zu der Wirtschaftskrise, die einzig und allein korrupte Politiker zu verantworten haben, kam dann noch die Corona-Pandemie (an der diese Politiker keine Schuld hatten – man kann ihnen nicht alles anhängen). Der Tourismus, der mindestens 30% der Menschen im Libanon in irgendeiner Weise beschäftigt kam im März 2020 abrupt zum Erliegen.

Und als ob das nicht schon schlimm genug gewesen wäre, explodierte im August 2020 auch noch ein Lager im Hafen von Beirut, wo 2750 Tonnen Ammoniumnitrat gelagert wurden. Die Regierung hatte dieses von einem Tanker beschlagnahmt und es dann nicht besonders fachgerecht direkt neben einer nicht unerheblichen Menge Feuerwerkskörpern gelagert. Dafür kann man die Regierung also gerne wieder verantwortlich machen.

Wie auch immer. Heute ist Beirut eine Mischung aus wunderschönen historischen Bauten aus gelblichem Kalkstein, aus hochmodernen Wolkenkratern und Luxushotels, aus römischen Ruinen, Bürgerkriegsruinen, Explosionsruinen und einem Stadtzentrum, das militärisch abgesperrt ist, weil die Regierung Angst vor weiteren ausgebrachten Protestierenden hat. Zum Jahrestag der Explosion waren alle wieder mal richtig wütend, weil es keinerlei Aufklärung gab. 209 Menschen haben ihr Leben verloren und die Regierung traut sich nicht einmal, offiziell festzustellen, dass es sich um einen Unfall handelte, so dass die Versicherungsfirmen (bisher) nichts zahlen müssen. Vieles liegt im Argen. Aber ich hätte trotzdem lieber die Moscheen, Kirchen und den Sternenplatz gesehen als Stacheldraht und Militärbarrikaden.

Was ist schön in Beirut: die alte Architektur, die an vielen Stellen sehr gut zu erkennen und oft auch liebevoll restauriert ist, die großartigen Restaurants, wo man für kleines Geld grandiose libanesische Gerichte wie Babaganousch, Manouche oder Taboulé bekommen kann, das Nationalmuseum, in dem leider ständig der Strom ausfällt, die große Moschee direkt neben dem etwas verwahrlosten Märtyrerplatz, die Uferpromenade Raouché mit den Taubenfelsen, wo immer etwas los ist, da Beit Beirut, ein aus dem Bürgerkrieg erhaltenes und in ein Museum verwandeltes Wohnhaus direkt an der einstigen grünen Linie und wahrscheinlich auch der Campus der amerikanischen Universität, wo aber niemand reingelassen wird.

Ich kann euch nur sagen, dass ich mich im September 2021 in Beirut wunderbar sicher und wohl gefühlt habe, sowohl in den bettelarmen als auch in den stinkreichen Wohnvierteln des einstigen Paris des Nahen Ostens. Ich durfte fast überall hin und wenn ich nicht durfte, dann wurde ich mit einem Lächeln und einer Entschuldigung darauf hingewiesen.

Beirut ist vielleicht nicht die schönste Stadt im Libanon, aber mit Sicherheit einen Abstecher wert, sei es auch nur als Ausgangspunkt für Dutzende aufregende Ausflüge und für einige großartige Abendessen.

Eure Beatrice!

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