Das war irgendwie ein kleines Abenteuer. Ein Ausflug nach Koblenz vor ungefähr einem Jahr, um von Reiner Meutsch für seine Radiosendung „Mein Abenteuer“ interviewt zu werden. Da ich vorher noch nie im Radio war, fand ich alles unheimlich interessant. Da Reiner aber ein Vollprofi ist und dazu noch ein ständig gut gelaunter Zeitgenosse, verlief alles easy und reibungslos. Und irgendwie ist das Interview gut geworden. Finde ich.
Ein paar wertvolle Tipps von einer verzweifelten Reisezielsucherin
Wie habe ich dieses Jahr (2020 – das vermaledeite Corona-Jahr) meine Reiseziele gefunden? Nun, es war nicht einfach, denn insgesamt wurden 9 Fernreisen und 7 Kurztrips von den jeweiligen Veranstaltern oder Fluggesellschaften abgesagt beziehungsweise durch die Einreisegestimmungen der Länder unmöglich gemacht. Ihr sucht nach Corona-Reisezielen? Nach Ländern, die auch in der Pandemie bereist werden können? Nach coronakonformen Ferien?
Da es aktuell so aussieht, als ob es noch eine ganze Weile (vielleicht noch 6-9 Monate) so weiter geht, habe ich euch ein paar Info-Links zusammengesucht, die ich fast täglich aufsuche, nur um auf dem Laufenden zu sein.
La Curieuse – immerhin die Schildkröten sind hier recht neugierig
Curieuse ist französisch und kann neugierig oder auch seltsam, ungewöhnlich, bizarr bedeuten. Ein ziemlich guter Name für eine kleine paradiesische Insel mitten im indischen Ozean, auf der so ungewöhnliche und neugierige Kreaturen wie die Aldabra Riesenschildkröten leben!
La Curieuse ist eine der Inseln, die zu
den Seychellen gehört. Die kleine Granitinsel ist etwa dreieinhalb
Kilometer lang und eineinhalb Kilometer breit. Um zu diesem
idyllischen und fast verlassenen Stückchen Land zu gelangen, das
immerhin die fünftgrößte der inneren Seychellen, nimmt man am
besten ein Charterboot von Praslin aus. Die beiden Inseln liegen nur
etwa einen Kilometer voneinander entfernt. Sehr sportliche Besucher
könnten also vielleicht sogar dahin schwimmen.
Nicht weit von Acireale, wo mein Feriendomizil steht, befindet sich
die Stadt Taormina, die bei Touristen angeblich eine der beliebtesten
ist. Das muss ich mir natürlich mit eigenen Augen ansehen.
Erstaunlicherweise ist es recht einfach, einen Parkplatz direkt am
Stadtkern zu finden. Das führe ich aber, wie so vieles auf dieser
ungewöhnlichen Reise in diesem ungewöhnlichen Sommer, auf Corona
zurück.
Taormina ist überschaubar und
gemütlich, Es ist der Inbegriff eines romantischen
Touristenstädtchens, zumindest in dem Bereich, wo sich die
Hauptsehenswürdigkeiten, die Restaurants und die Souvenirläden
befinden. Hier hat tatsächlich auch fast alles geöffnet. Ich
besuche das römische Amphitheater, das etwas größer ist, als das
in Catania und in dem offenbar noch regelmäßig Vorstellungen
stattfinden. Zumindest stehen auf der Bühne Kulissen herum. Auf der
kleinen Straße zum Theater werden frische Fruchtsäfte und
köstliches italienisches Eis angeboten.
Der Nationalpark Morne Seychellois liegt mitten auf der größten Seychelleninsel, auf Mahé. Mahé hat im Inselinnern immerhin Erhebungen von etwas über 900 Metern zu bieten. Und genau diese bergige und von dichtem Tropenwald bewachsene Region ist heute ein Nationalpark.
Einst haben hier ein paar Menschen
gewohnt, noch vor etwa 50 Jahren. Denen hat man dann aber ein paar
nette Grundstücke irgendwo in Küstennähe gegeben, damit der
Nationalpark ausgewiesen werden konnte. Anschließen hat man den Wald
hier oben weitestgehend sich selbst überlassen. Es gibt nur einen
Wanderweg, der einmal quer hindurch führt.
Nationalpark Vallée de Mai – ein Wald voller illegaler Schätze
Der Nationalpark Vallée de Mai liegt im Zentrum der zweitgrößten Seychelleninsel Paslin. En Rundgang durch den Nationalpark Vallée de Mai schafft man locker in zwei Stunden. Es ist allerdings auch kein Problem, sich hier noch etwas länger aufzuhalten, vor allem, wenn man einen Guide dabei hat, der jede Menge Geschichten über die verschiedenen Pflanzen erzählen kann, die hier wachsen.
Inmitten jeder Menge Farne, Bäume und
Palmen ist die eigentliche Attraktion des Nationalpark Vallée de Mai
die Coco de Mer. Das ist eine Palmenart, die nur auf den Seychellen
vorkommt und da auch nur auf bestimmten Inseln. Auf der Hauptinsel
Mahé findet man sie zum Beispiel nicht. Das ist sicherlich auch
einer der Gründe, warum dieses Schutzgebiet hier mitten auf Praslin
ein Nationalpark wurde.
Bad Neuenahr – Deutschlands teuerstes Bauprojekt – bis jetzt
Von Bad Neuenahr wusste ich eigentlich nur, dass dort Wein wächst. Bei meiner Suche nach coronatauglichen Reisezielen stellte sich heraus, dass es in Bad Neuenahr die Dokumentationsstätte Regierungsbunker gibt. Es handelt sich um ein Museum, das im einstigen „Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes (AdVB) im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung derer Funktionstüchtigkeit“ untergebracht ist und der Öffentlichkeit zeigen soll, was hier unter Bad Neuenahr so alles vor sich ging.
In der Dokumentationsstätte
Regierungsbunker begibt man sich in die Zeit des Kalten Krieges.
Damals hatten alle Regierungen der Welt ernsthaft Angst vor dem
Dritten Weltkrieg. Es war den meisten sogar ziemlich klar, dass er
unmittelbar bevor stand. Daher wurde ein Ausweichsitz für die
Westdeutsche Regierung gesucht und in Bad Neuenahr gefunden.
Irgendwer erinnerte sich daran, dass es hier noch diese gigantischen
Tunnel für ein nie fertiggestelltes Netz für
Hochgeschwindigkeitszüge gab. Und das gar nicht weit von Bonn
entfernt.
Catania – Pizza und Geschichte, was will man mehr?
Catania stand schon länger auf der Liste meiner möglichen Reiseziele, vor allem, weil es direkt neben dem berühmten Vulkan Ätna liegt. Ich hatte mir eigentlich eine kleine Städtetour mit Vulkanbesteigung gedacht, aber letztendlich hat das Coronavirus meine Reisezielauswahl dermaßen eingeschränkt, dass Italien eines von nur noch wenigen erreichbaren Zielen war. Auf die Frage hin, ob mein Mann eine italienische oder eine griechische Insel vorziehen würde, sagte er nur: „In Italien gibt es Pizza, richtig?“ So kamen wir recht spontan zu einer Woche Sizilien.
Und es war eine gute Entscheidung.
Sonne, Hitze, Meer und Pizza sind in Hülle und Fülle vorhanden. Der
italienische Verkehr beziehungsweise die Toleranz der Italiener
bezüglich Geschwindigkeitsbegrenzungen und der Frage, ob da wirklich
ein Auto durchpasst, lassen meine Nackenhaare zu Berge stehen, aber
glücklicherweise muss ich nicht fahren. Mein Mann fühlt sich wie in
einem Super Mario Cart Spiel und genießt es, in dem winzigen Fiat
500 um die Kurven zu schießen, während ich immer nur staunen kann,
dass nichts schief geht.
Vogelsang klingt irgendwie nett. Vögel, Gesang. Nett. Allerdings ist die Geschichte der Ordensburg Vogelsang alles andere als nett. Seit einigen Jahren erst gibt es hier ein Museum, dessen Dauerausstellung sich mit der Zeit beschäftigt, als in Vogelsang die vielversprechenden angehenden Führungskräfte des Dritten Reiches ausgebildet wurden.
Die Anlage, die einer Burg gleichen
sollte, wurde bei Gmünd auf einer Anhöhe errichtet, mit einem
tollen weiten Ausblick über die schöne Eifel, die heute
Nationalpark ist. Vogelsang war eine von vier Ordensburgen, wo die
Elite der NSDAP ausgebildet werden sollte. Dabei ging es
hauptsächlich um die physische Ausbildung der neuen Herrenmenschen
und SS-Offiziere sowie um die ideologische Schulung. Nur „Ganze
Kerle“ schafften es zum Abschluss, wobei Gesinnung, Gehorsam und
körperliche Attribute von Bedeutung waren. Wissen und Bildung waren
eher nebensächlich, wenn man von solchen Fächern wie Rassenkunde
einmal absieht.
Palermo – Siziliens Metropole mit jeder Menge Architektur
Die größte Stadt auf Sizilien ist Palermo. Ein Name, den wohl jeder schon einmal gehört hat. Bis zu meiner Sizilienreise habe ich allerdings nichts wirklich mit Palermo verbinden können, außer vielleicht, dass es irgendwie italienisch klingt. Und kam nicht dieses Küken Calimero mit den Eierschalen auf dem Kopf aus Palermo?
Wie auch immer. Dank Corona ende ich in
diesem wirren und ungewöhnlichen Sommer in Palermo, einer Stadt, die
vollgepackt ist mit Geschichte, Architektur und winzigen Autos, die
sich in einem Hupkonzert durch die Straßen schlängeln, als wollten
sie einen unentwirrbaren Zopf flechten.